Samstag, 20. April 2019

von der neuen definition alten begriffe

das osterfest steht buchstäblich vor der tür. still war es wieder hier auf dem blog, viel zu lange, wie ich finde. die gründe sind zahlreiche und teilweise müssen texte über diese noch im mir ausreifen, denn jeder tag, jede woche, jedes wochenende der letzte monate waren voll, intensiv und hat einiges von mir und auch von uns allen abverlangt. tatsächlich sind wir alle drei, mann, kind und ich, in den letzten wochen oft an unseren grenzen gestossen, gleichzeitig haben wir kräfte entwickelt, von denen ich nicht mal wußte, dass wir sie haben. vor allem kind hat einiges an selbständigkeit gezeigt, die ich ihm noch nicht zugetraut hätte, er sie so erwachsen, so reif und so vernünftig geworden, dass ich die seltenen momente, wo er dann doch altersgemäß "spinnt" fast schon genieße. gut so, so sollte es sein.

neben unmengen an punkten, über die ich noch gut nachdenken muss, wie ich sie verarbeite, wie ich sie finde, wie ich sie aufschreibe, war und ist das ereignis der letzten wochen, dass meine mutter nun aus der hauptstadt hier drei häuser weiter von uns eingezogen ist. eingezogen ist alles noch zu optimistisch gesagt, ihre sachen sind seit drei wochen in ihrer neuen wohnung und sie wohnte noch vor einigen tagen bei uns. so weit so gut. der umzug dauernd allerdings schon fast zwei monate. der gesamte märz stand im zeichen des chaos, mann ist kilometer gefahren um beim packen, ordnen, schleppen etc. zu helfen, ich habe auf dieser seite alles organisiert, geschlichtet, renovieren lassen, sonstige arbeiten verrichtet, gleichzeitig kind, job und sonstige kleinigkeiten (und größere, noch nicht zu verratende sachen) koordiniert. nun packen wir seit wochen aus, schachtel für schachtel kämpfe ich mit meiner immer schlechtgtelaunteren mutter, was weg gehört, was sie unbedingt braucht und ohne was sie nicht leben kann. geduld ist hier langsam auf beiden seiten mangelware.

aber....obwohl die arbeit körperlich anstrengend war und noch immer ist, hatte mein kopf zeit zum nachzudenken. teilweise habe ich sachen ganz nostalgisch ausgepackt, mich an sachen erinnert, an momente gedacht, denn viele dieser sachen zeugen nicht nur vom lebensweg meiner mutter, sondern waren auch ein teil von meinem, von unserem familienweg, einiges aus der zeit, als es uns vier noch gab, einiges später, als nur meine mutter und ich zusammen lebten. während ich schachtel für schachtel auspackte, mich sogar dabei ertappte neugierig zu sein, was sich in der nächsten alles versteckt, musste ich da an so viele vergangene momente denken, an familienmitglieder, freunde aus der vergangenheit, einige, die es leider schon lange nicht mehr gibt, einige verstreut durch die welt. und an den begriff "elternhaus", den es in meinem leben zwar gibt, aber ganz anders definiert wird als bei vielen.

meine mutter war und ist immer noch eine nomadin. wohnorte, wohnungen, häuser, städte, egal, ob sie sie mochte oder nicht, sah und sieht sie als einfache momente in ihrem leben, die für eine phase gepasst haben und wenn es nicht mehr ok war, dann packte sie und ging. und wir, später nur ich, mit ihr. immer habe ich sie dafür bewundert, mit welcher leichtigkeit, mit welcher selbstverständlichkeit das alles für sie normal war und wie sie, auch schon wesentlich älter als ich jetzt, immer wieder neu anfangen konnte, neue freunde fand, neuen mikrokosmos aufbaute und gleichzeitig die alten freunde nie verlor, sondern auch in der zeit ohne internet und billige telefonie den kontakt hielt. ich habe erst jetzt, bei diesem umzug, beim auspacken von ihren sachen einiges davor verstanden, mir in erinnerungen gerufen und ja, ich bewundere sie wiedereinmal dafür, dass sie immer so souverän ihren weg ging und ihn noch immer geht. "home is, where my hat is", das ist meine mutter und ich dachte, ich sei auch so, mein leben lang. wenn es irgendwo nicht mehr passt, wenn es beruflich nicht weiter geht,  wenn die stadt, das klima, was auch immer nicht gut ist für dich, packe und gehe. kein problem, kein thema. freunde, die richtigen, bleiben auch dann, neuanfang ist gut. tja...

nun packe ich eben ihre und nicht unsere sachen aus. denn sie, um einiges älter, ist in unsere nähe umgezogen, nicht wir in ihre. der wunsch zusammen zu sein, war ja schon länger da. mein wunsch in ihrer nähe zu sein auch, aber irgendwas, irgendwas, was durchaus noch einen einen text und eigene gedenken verdient, bremst mich seit jahren. so hat meine mutter nägel mit köpfen gemacht. mal wieder. und ich bewundere sie maßlos dafür...

um zum gedanken zurück zu kehren, ich hatte nie EIN elternhaus und unsere definition von diesem ist völlig umklassisch. mein elternhaus bewegt sich, so wie meine mutter sich bewegt. dieses ist dort, wo sie ist, wo nun ihre schachteln, ihr sachen und so machen krempel steht. sie wohnung nun seit einer woche in der neuen, drei häuser entfernten wohnung und ja, es reicht schon nach meinem elternhaus, schaut auch langsam danach aus. von ihrer flexibilität möchte ich mir langsam eine dicke scheibe abschneiden und hoffe inständig, dass wir noch lange dieses vorbilde haben. zu hause ist, wo man gerade ist. im moment in der ****straße nr. 7 :) 

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