Dienstag, 1. November 2016

von einer langen zeit des schweigens

es sind mal wieder monate vergangen seit meinem letzten beitrag. so vieles ist passiert und dann doch so wenig, dass ich überhaupt nicht weiß, ob ich alles zusammenschreiben soll. in wahrheit ist es glaube ich allerdings sinnlos, denn vieles waren keine, umbedeutsame sachen, die zwar im moment wichtig erschienen, aber dann doch völlig...egal sind. wir gehen halt unseren alltag. kind, kein zwerg mehr, sondern fast 9 jahre alt, meistern souverän seinen alltag zwischen schule, viel musik und hobbies, ich wandere alte und neue berufliche wegen. die bessere hälfte verdaut einiges, bewegt sich aber eher wenig. zeit ist mangelwaren und wenn, bin ich meist nur für privates energivoll, viele liebe menschen bleiben auf der strecke :( kein zustand, den ich 100% prozentig weiter beibehalten will.

so habe ich in den letzten monaten viel darüber nachgedacht, wie es weiter gehen sollte. bei vielen punkten. hier auf dem blog, einiges im privaten bereich, beruflich, bei einigen körperlichen beschwerden, überhaupt...der blick für jetzt und hier fiel mir oft schwer, weil so vieles in beide richtungen, nach hinten und nach vorne, passiert ist. und so vieles auch nicht geschehen ist, obwohl es sollte. bei vielen punkten habe ich keine antwort gefunden und hoffe sie im weiteren finden zu können. bei vielem stehen aufregende, neue pläne.



der blog soll nun aktiver werden und uns bei unserem nächsten großen abenteuer begleiten, denn kind und ich gehen für fast ein jahr nach schottland. eine idee, die ich schon lange in mir getragen habe, ein versuch beruflich wieder in die richtung zu gehen, die ich so sehr liebe und die in den letzten jahren viel zu kurz gekommen ist. die bessere hälfte bleibt hier, aus vielen gründen. er wird uns fleissig besuchen, aber kind und ich werden die meisten zeit unser abenteuer alleine bestehen. für zwerg ist vieles natürlich extrem aufregend: ein neues land, eine neue sprache, eine neue schule und überhaupt. viel aufregung, aber auch freunde ist dabei. bei mir überwiegt vorläufig die aufregung, denn vieles ist nicht fertig. ich habe eine kleine dorfschule fürs kind gefunden, ich habe auch seine musikstunden organisiert, alles andere für ihn werde ich vor ort machen. eine wohnung fehlt, dann kann es losgehen. meine pläne sind vielfältig, es fällt mir täglich was neues ein, was ich seit jahren schon beruflich machen wollte, aber nie dazu gekommen bin. ich hoffe wirklich, endlich einiges realisieren zu können. auch davor, noch hier in der stadt, muss ich einige offene baustellen schließen und einige Projekte vorbereiten, um sie dann mitnehmen zu können.

kurz gesagt, es ist hier wirklich spannend und ereignisreich. und somit soll auch dieser blog wiederbelebt werden, so, wie er einmal war, er soll über uns und unser leben wieder berichten, aber auch ein reiseblog werden, der uns bei unserer hoffentlich sehr spannenden bewegung begleiten wird :)

Samstag, 14. Mai 2016

von wortlosigkeit...

still ist es hier auf dem blog geworden, viel zu still. seit monaten tut sich hier nichts, aber nicht deshalb, weil es nichts zum schreiben gibt, sondern weil jede woche, fast jeden tag was neues dazu kommt und ich langsam aber sicher ohne atem bin. nicht, weil viel zu tun ist. das ist es, aber das kann ich schaffen. nicht, weil das leben viel zu schnell ist. das ist es ebenfalls, aber auch das ist machbar. sondern, weil seit wochen fast regelmässig eine schlechte nachricht nach der anderen folgen und ich langsam...wortlos bin.

nachrichten von diversen menschen, die aus dem leben gegangen sind. wer freiwillig, wer durch schwere krankheiten, wer durch beides. nachrichten, von menschen die ich kenne, die jemanden verloren haben. nachrichten von krankheiten, ausweglosigkeit, sei es aus dem richtigen leben, aber auch nur virtuell. trotzdem, menschen, die ich kenne. die ich mag. die ich teilweise liebe. und irgendwie laufe ich seit wochen mit einem kloß im magen herum. teilweise habe ich direkt das gefühl, dass meine lunge keine luft mehr aufnimmt, weil so vieles in so kurzer zeit ist einfach zu viel.

heute wurde ein lieber freund begraben :( ich bin nicht hingefahren. ich konnte einfach nicht. aus so vielen gründen habe ich schlußendlich beschlossen zu hause zu bleiben. er hätte es verstanden, klar. ich werde es allerdings nie verstehen, dass die welt nun eine sein sollte, in der er nicht mehr ist. die kerze für ihn brennt hier sein tagen, sie hat sich allen anderen angeschlossen, die ich in den letzten monaten angezündet habe. ich hoffe, es geht ihm gut, wo auch immer er jetzt sein mag.






Sonntag, 31. Januar 2016

von einigen extremen der erziehung...

das neue jahr ist gar nicht mehr so neu, aber der blog ist leider mal wieder still. ich habe es mir für heuer vorgenommen, mehr zu schreiben und schon fängt es damit an, dass der jänner einen einzigen beitrag haben wird, nämlich diesen. mein schweigen hat mehrere gründe. zu einem ist alles die letzten monate sehr intensiv, viel Arbeit auf jeden fall und die freizeit wird intensiv mit dem kind verbracht. zum anderen gibt es zwar x themen, die mir durch den kopf gehen, aber wenn ich sie nicht gleich aufschreibe, verschwinden sie irgendwie, werden nicht mehr aktuell und dann denke ich mir, ach, wen soll denn das interessieren. so bleiben die ideen doch oft nur im kopf und kommen nie "auf virtuelle papier". ich hoffe, dass sie das heuer ändern und muss mich selber immer stärker am rieben reissen, doch zu schreiben.

um dem namen des blog gereicht zu werden, ist klar auch etwas chaos im spiel, sowohl in meinem kopf und bei meinen gedanken, die mich einiges noch nicht aufschreiben haben lassen. aber man schauen, ob ich heute einiges in eine wenigstens ansatzweise geordnete art aufschreiben kann.
in knapp einem monat wird zwerg 8 jahre alt! der alltag trägt uns so weiter, dass ich immer weniger zeit habe inne zu halten, aber wenn ich es doch tue, erschrecke ich gerade ob des gedankens, dass das kind ja gerade noch ein baby war und nun 8 jahre alt wird. ganz oft denke ich mir, dass er viel schneller älter wird als ich mithalten kann, als ich umdenken kann, mich an seine entwicklung gewöhnen kann, mich ihm und seinen sich ständig veränderten bedürfnissen anpassen kann. nicht selten erwische ich mich dabei daran zu denken, wie leicht es war, als er einfach brust und ein tragetuch gebraucht hat, als die selbständigkeit war, zum WC alleine zu sehen oder sich alleine anzuziehen. jetzt fordert der kerl immer mehr ein, seine eigenständigkeit wird immer stärker, die kreise weiter und ich, ich erwische mich dabei, wie ich völlig außer atem nachrenne und mir überlege, warum kann und will der das schon wieder selber machen?!?!

ich habe mich schon daran gewöhn, wenn auch schweren herzens, dass er alleine aus der schule heim kommt. quer durch die stadt, mit zwei verschiedenen busen, fährt der kerl täglich heim, oft selber von seinem mut überrascht und wohl auch mit etwas lampenfieber, wie er selber sagt, aber dennoch. will er. fordert er. macht er. wie ein großer. und ich lassen ihn klar machen. er liest 350 seitige bücher ohne mit der wimper zu zucken und plant das erste sommercamp völlig alleine. auch schläft er das erste mal seit 7,5 einfach alleine ein, übernachtet bei freunden problemlos, geht einkaufen, stapft auf die bühne, macht und tut. und lässt mich oft völlig verwirrt, aber klar auch stolz zurück.

all diese veränderungen wühlen aber in mir vieles auf, denn wie gesagt, oft habe ich das gefühl, ich bin nicht mehr up to date. was braucht wirklich so ein kind, in dem alter? ach, was war attachment parenting leicht? was war das alles einfach, logisch, geborgen für mich als mutter und fürs kind? wie war montessori logisch, wie wohltuend juul and co, wenn es um kleinkinder ging? die babyphase ist mir klar, auch kleinkinder und ihre bedürfnisse habe ich gut im griff, aber jetzt, am rande der pubertät denke ich mir oft, wie? wie bereite ich ihn nun auf die große weite welt vor? wie finde ich den weg in die selbständigkeit, wie leite ich ihn, ohne ihn zu beeinflussen, ohne was zu tun, was ihm nicht passt und überhaupt, puh. es geht nicht mehr darum, ihm das teilen beizubringen, ihm zu zeigen, dass man machen auf der hand nicht reissen, ihn zu ermutigen, alleine zu schaukeln oder eben aufs klo zu gehen, das alles war ach so leicht. jetzt diskutieren wir über andere themen, jetzt braucht er eine hand, die ihn stützt und dennoch gehen lässt.

in meiner extrem großen und breiten familie gibt es zwei extremen der erziehung, die absolute freiheit und das extreme klammern. selbstängikeit und völlig unfähigkeit alleine auch im erwachsenen alter über die straße zu sehen. freiheit in jeder entscheidung und fremdbestimmung bis zur extreme. kinder, die auch im erwachsenen alter alles von den eltern bekommen und solche, die schon sehr jung gelernt haben, alles selber zu machen und zu bestimmen. während ich in erster linie die freiheitslinie erlebt und schätzten gelernt habe, müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir völlig egal ist, welchen weg mein kind geht. das war auch meinen eltern nicht egal. aber wie bekommt man das hin, die freiheit eben zu lassen und dennoch wenigstens die grundlegenden eckpfeiler, die man selber für richtig hält, zu vermitteln? seine meinung sagen, ohne fremdzubestimmen, die entscheidungen dem kind überlassen und dann eventuell mit wirklich falschen wegen leben? und auf diesem gesamten weg das kind glücklich und zufrieden zu behalten, aber auch selber rund bleiben. wenn ich so einige wege in meiner umgebung beobachtet, waren alle "erziehungsrichtungen" klar von liebe geleitet. aber entschuldigt liebe einiges an eingreifen, an bestimmung von außen, die dem kind de facto nicht gut tun? entschuldigt auch die große liebe eingreifen in die wichtigsten entscheidungen des lebens, beschreiben von freiheit, selbständigkeit, selbstbestimmtheit? gibt der freiheitsweg sicherheit und geborgenheit? wann ist zu viel oder zu wenig freiheit da?

der mittelweg, der mittelweg soll es werden, auch wenn ich ihn noch nicht innerlich gefunden habe. wie geht der wirklich, wie ist hier das patent, die linie, wie gehe ich das täglich an, wenn die geduld oft zu klein ist und auch meine nerven zu dünn sind. vertrauen, ja, hoffen ja und dann? ich erinnere mich täglich dran, dass er "erst", aber auch "schon" 8 jahre alt sein wird in einigen wochen. dass der weg in die völlig freiheit ja noch eine zeitlang dauern wird und dennoch. einiges ist schon da, es ist alltag und wird immer normaler und kind geht souverän und selbstbewußt diesen weg. und ich, ob ich will, muss nun lernen schneller zu rennen, um mit ihm schritt halten zu halten.


Donnerstag, 31. Dezember 2015

alle jahre wieder

erinnere ich mich erst im dezember, dass der blog ja noch existiert :) heuer war es eine besonders lange zeit, denn seit dem sommer schleiche ich herum. denn seit dem urlaub, in dem ich jedes mal, wenn ich medien eingeschaltet habe, nur krieg und tot gesehen habe, habe ich aufgehört zu schreiben, viele fotos zu posten und überhaupt, kam mir einiges so lächerlich vor. wen interessieren urlaubsfotos anbetracht einiger anderen fotos, die ich gerne nicht gesehen hätte? somit war es hier ruhig...in wahrheit jedoch zu ruhig, mir hat das schreiben gefehlt.

was kann man nun, am letzten tag dieses 2015 jahr schreiben? es war bewegt. besser als 2014 auf jeden fall, das war nicht schwer. 2015 war für uns persönlich positiver, auch wenn ich klar auf einiges hätte verzichten können. aber im großen und ganzen schauen wir auf ein gutes jahr zurück. mein herz ist wieder freier, liebe freundschaften sind wieder aktiviert, anderen einfach da :) liebe menschen sind in unser leben gekommen und ich hoffe, sie dort noch lange haben zu dürfen.

der sommer war spannend und bewegt, die reisen wunderschön, mit lieben freunden unterwegs sein erwärmt die seele richtig. wir haben endlich auch wieder verwandte auf dem balkan besucht, die batterien aufgeladen, einiges neu überdacht. den sommer haben wir vor allem genossen, liebe menschen, schöne orte, gutes essen. so vergehen auch 6 wochen viel zu schnell.

der herbst... der hat viel veränderung, viel arbeit gebracht. eine neudefinition in der arbeit. und dann mal wieder eindeutig die klarheit, dass ich hier den alten weg wieder gehen will. wann, ist noch die frage, aber doch. dieser eine weg ist richtig, alles andere nur ergänzung.

zwerg hat 2015 auch gut getan. er ist reifer, ruhiger, ausgeglichener geworden. er liebt die schule, liebt seine hobbies. spielt mit leidenschaft  beide instrumente und arbeitet in der schule teilweise schon mit der 3. klasse mit. auch wenn er nicht immer gleich stark willig ist einiges zu machen, darf ich nicht klagen. am abend hat er nun das selbständige lesen entdeckt, so müssen wir jeden abend nach 1 stunde diskutieren, dass er nun aufhören muss. harry potter band 1 und einige dicke bücher sind seit dem herbst hier auslesen und ich freue mich jedes mal, wenn ich ihm ein neues, wunderbares literarisches abendteuer anbieten kann.

das adventexperiment ist mir heuer extrem schwer gefallen und oft war ich doch online. dennoch haben wir viele wunderschöne, sogar ruhig momente im advent verbracht und auch ein schönes weihnachtsfest gefeiert. heuer habe ich auch einen alten brauch für mich neu entdeckt und zelebriere gerade die rauhnächte zum ersten mal. es hat etwas magisch an sich, dieser brauch und jeden abend freue ich mich auf den nächsten zettel, den ich verbrenn und meinen wunsch richtung kosmos schicken darf.

die 13 wünsche für das neue jahr haben in erster linie eines gemeinsam: sie sollten etwas ruhe und zeit bringen. zeit für uns, zeit für liebe freunde, zeit für neue positive abendteuer. einiges ist schon geplant, einiges bin ich in den letzten tagen angegangen, vieles sollte noch folgen. für die welt wünsche ich mir ebenfalls ruhe, frieden. so banal, aber so wichtig!

eine guten rutsch euch allen da draußen :) auf ein tolles, gesundes und gutes neues 2016 Jahr.

Samstag, 15. August 2015

von zu viel ereignissen...

im grunde weiss ich nicht mal, wo ich anfangen sollte. seit mai liegt der blog brach, ich fange regelmässig texte an, die ich nicht beende. es ist nun august und ich weiß eben gar nicht, worüber ich genau schreiben sollte, denn es ist so viel passt, mit mir, mit uns, mit der welt um uns herum, dass es mir oft schwer fällt zu glauben, dass nur drei monate vergangen sind. diese waren zwischen intensiv, schrecklich, schön und überraschend alles…schreckliche sachen in der stadt, im land, allgemein um uns herum machen den alltag teilweise noch banaler. ein amoklauf in der stadt, bilder von flüchtlingen in unwürdigen zuständen und vieles mehr haben einiges hier auch einfrieren lassen. wie soll ich über alltag schreiben, wenn wir in unserem alltag um gerade 10 minuten einen irren auf seiner amokfahrt durch die stadt gott sei dank entkommen sind? wie soll ich über banales wie schulschluss und stolz schreiben, wenn ich täglich bilder von kindern sehe, die dem krieg zwar entflohen sind, hier aber auf dem boden unter freiem himmel schlafen? wie soll ich mich auf den urlaub freien, wenn es liebe menschen gibt, denen es nicht gut geht und um die ich mir quer durch europa sorgen machen muss?

und dennoch, irgendwie, der alltag geht weiter. wir funktionieren und der sommer ist schön. kaiserwetter schon wochenlang. eigentlich schon zu heiss, aber das erste mal seit jahren ist es sommer. kind hat mit bravur die erste klasse hinter sich gebracht, ich habe den ersten unbefristeten vertrag meines lebens unterschrieben (war nicht auf der uni, aber ok), unser alltag erlaubt nun auch freizeit und zeit miteinander. morgen geht es für 4 wochen in den urlaub. ich darf nicht klagen, absolut nicht. alles andere dann, wenn der alltag uns wieder hat. jetzt wünsche ich mir nur mal freizeit, urlaub, familienzeit, lesen, schlafen und liebe menschen um mich herum. bis september :)

Sonntag, 17. Mai 2015

von der kunst zu schweigen und zu sprechen

keine drei wochen sind seit dem letzten beitrag vergangen, der für einige diskussionen gesorgt hat und mir selber sehr zum denken gegeben hat. keine drei wochen später schaut einiges so anders aus, dass mir der letzte beitrag wie aus einem anderen leben vorkommt und ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu schreiben. de facto ist ja nicht viel zeit vergangen, aber dennoch... eine woche auf dem balkan später, sieben schlaflose nächte, einige flaschen alkohol, viel balkanmusik und ein gespräch später stehe ich plötzlich da und ein teil des chaoses hat sich gelöst. viele fragen sind beantwortet, einige vermutungen widerlegt und einiges, was ich weder vermuten noch ahnen konnte, ist nun geklärt und hat mich überrascht, berührt und teilweise richtig erschüttert. seit drei tagen bin ich nun zu hause und kann und kann nicht richtig ankommen. und auch wenn ich zwerg und mann vermisst habe und klar froh bin wieder bei ihnen zu sein, scheint meine seele noch nicht ganz angekommen zu sein. sie scheint die wärme des balkans vorzuziehen und lässt mich immer wieder in gedanken dorthin zurück gehen.

nicht falsch verstehen, auch der balkan hat keinen zauberstab um alles, aber auch alles zu klären und zu verändern, was sich in der letzten zeit angesammelt hat. aber einiges an chaos ist geklärt, einiges ist wieder dort, wo es hingehört und was noch nicht ist, dreht sich langsam in die richtige richtung. einiges ist mir klarer geworden, einiges habe ich verstanden. aber das wichtigste, das allerwichtigste war ein gespräch, welches seit 1, 5 jahren überfällig war. geschwiegen habe ich, geschwiegen hat die andere seite. ich habe den schmerz gewählt, bin selber in mein schneckenhaus gekrochen und habe mich dort vor der welt versteckt. man gewöhnt sich irgendwie an alles, habe ich mir gesagt, auch an ein leben ohne diese für mich so besondere freundschaft, ohne sprechen, ohne einiges zu klären. irgendwann habe ich mich wirklich daran gewöhnt. das schweigen war mein alltag.

ich frage mich nun seit tagen, wie das überhaupt gegangen ist, wie konnte ich das ertragen? das schweigen über das sprechen zu stellen liegt mir nämlich so überhaupt nicht. ich war immer schon der typ der sofort, auf der stelle sachen klären musste und das ist in wahrheit bis heute geblieben. sehr selten habe ich die kunst zu schweigen - denn ja, für mich ist es eine wirkliche kunst - beherrscht und noch seltener länger als einige wochen durchgehalten. ungeklärte situationen machen mich buchstäblich krank und schon bald, ich glaube in der pubertät, habe ich gelernt, solche momente schnell und nach möglichkeit positiv zu lösen. sprachen liegt mir, vielleicht neben schreiben, am meisten. schweigen ist kaum meine welt, schon gar nicht dann, wenn es mit schmerz verbunden ist.

nun hatte ich wirklich das schweigen gewählt. ich habe den schmerz gewählt, der in mir immer stärker wurde, den ich irgendwann so weit kultiviert hatte, dass er die meiste zeit ruhig war. kurz ausbrüche habe ich schnell unter kontrolle gebracht und im allgemeinen chaos des lebens, der zahlreichen fragen , der fehlenden entscheidungen gehörte auch dieser punkt fast zum alltag. man gewöhnt sich an schmerzt, meine mal jemand, der mir viel bedeutet hat. ich habe ihn nicht verstanden. ich habe ihn groß angeschaut und meine nur, nein, ich nicht… nun stehe ich da und sehe, dass ich mich daran gewöhnt hatte. unbewusst, unfähig passend zu reagieren, nicht in der lage mit eigenem schweigen umzugehen, hatte ich mich daran gewöhnt. die gefühle, gut zusammengepackt und tief in der seele vergraben, drohten zwar von zeit zur zeit zu entkommen, aber ich hatte sie schnell wieder gefangen. und mit ihnen so viel weiteres, was zwar immer wieder ausgebrochen ist, aber spätestens bis zum abend wieder gut verdrängt in meiner seele war. ist es tatsächlich eine kunst zu schweigen? wie war das mit dem schweigen als gold? ich habe diese und so viele weitere angebliche positive seiten des schweigens in der letzten zeit wirklich vermisst und mich eigentlich nach dem silber, dem sprechen, so sehr gesehnt.

und dann kam der balkan. der balkan, der meine seele aufreisst, der alle versteckten gefühle aufzeigt, gnadenlos und ohne rücksicht auf verluste in mir fühle zulässt, egal wie tief etwas versteckt ist. der alle dämme reisst und mich mit allem möglichen überflutet um dann, schritt für schritt einiges zu klären. so sassen wir dann in einer nacht und haben gesprochen. und gesprochen. und während bei mir so manche träne ihren weg hinaus gefunden hat, sind gleichzeitig auch gefühle zurückgekehrt, antworten gekommen…tage später wurden auch entscheidungen getroffen, die sich gut anfühlen. einiges an traurigkeit ist jedoch geblieben. traurigkeit über das lange schweigen, über den sinnlosen schmerz, den ich nicht hätte so lange tragen müssen und über den schmerz, den ich selber - ungewollt und unbewusst, aber doch - verursacht habe. aber irgendwie fühlt sich vieles doch gut an. seit so langer zeit richtig gut. einiges an entscheidungen ebenfalls, auch wenn sie nun mal in der theorie da sind und bis zur praxis noch ein langer weg ist. aber irgendwie ist der weg richtig.

ich weiß, schweigen kann oft auch eine bereicherung sein. nicht alles muss durchgekaut werden und auch miteinander schweigen kann schön, harmonisch und gut sein. aber im konkreten fall hat es mich fast vergiftet. ich denke, dass die wahre kunst wohl darin besteht zu verstehen, wann man schweigen und wann sprechen sollte. der weg, den ich hier gewählt hatte, war eindeutig der falsche. einiges ist unterwegs verloren gegangen, einiges, bei welchem ich so gehofft habe, dass es nicht sichtbar ist. heute im gespräch mit einer lieben freundin habe ich jedoch verstanden, dass diese veränderung nicht unbemerkt geblieben ist. "du hast dein strahlen verloren" kam es als echo, in wahrheit habe ich das ja eh schon längst gewusst. somit heisst es, die neuen alten wege nun anzugehen.  und auf diesen einige antworten und mein strahlen wieder zu finden.

Dienstag, 28. April 2015

vom träumen und erwartungen und so mancher enttäuschung...

wenn ich ehrlich bin, trage ich diesen text schon einige zeit mit mir. in wahrheit de facto seit wochen, vielleicht sogar monaten, einige ereignisse sind schon vor einiger zeit passiert, aber auch die jüngsten begebenheiten in vielen situationen haben einiges an gedanken, chaos und überlegungen gebracht. ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wohin mich all diese gedanken tragen, denn es passiert täglich so viel, dass ich meinen kopf kaum ins klare bringe. aber vielleicht kann ich - getreu dem blognahmen - die chaoswelt in meinem kopf nun auch für mich etwas besser schlichten, wenn ich einiges niederschreibe.

der alltag trägt uns täglich schneller, so dass ich nur in wenigen momenten der letzten woche zeit hatte, stehen zu bleiben und zu überlegen. was sich nicht alles verändert hat. mein leben, in den letzte zwei jahren, ist teilweise völlig anders geworden. klar, veränderung ist gut, veränderung ist teil vom leben und ohne diese keine entwicklung. ich weiß das, ich mag die veränderungen auch. einige veränderungen passieren natürlich und müssen sein. einiges passiert und man kann nichts dagegen tun. und einiges passiert sowohl gewollt wie auch gleichzeitig ungewollt und verändert dann ganze lebensrichtungen. und ich habe eben in den letzten zwei jahren soviel solcher veränderungen erlebt, dass ich langsam nach einer pause schreie. vor allem dann, wenn die veränderungen sich so sehr mit den eigenen träumen und wünschen schlagen und einem täglich fast mit gespött zeigen, nein, es wird nicht so sein, wie du es dir erträumt hast.

die beruflichen veränderungen, ach, wo fange ich da nur an. vor zwei jahren geschrieben, lese ich diesen beitrag hier immer noch von zeit zur zeit gerne durch, wer weiß warum. um mich selber zu quälen oder weil ich finde, ich habe es damals so richtig gut getroffen und geschafft, meine gefühle auszudrücken. mein gebrochenes herz, wie es so schön pathetisch heisst, hat sich jedoch in vielen punkten erholt. während ich immer noch in tränen ausbreche, wenn ich daran denke, dass mein beruflicher weg nicht mehr nur in diese eine richtung geht, habe ich für mich neue wege gefunden, die parallel verlaufen und auch schön sind. jedoch gestalten sich diese wege teilweise so extrem, intensiv und zeitraubend, dass ich zu nichts mehr komme. man darf nicht über arbeit jammern, sondern sollte dankbar sein, das ist mir klar. ich sollte mir auch immer wieder vor augen führen, dass es ein privileg ist, so vieles machen zu können und seinen weg auch ändern zu können, ohne dazwischen arbeitslos da stellen zu müssen. aber dennoch, mein herz, meine träume, meine eigenen erwartungen sind enttäuscht. von einigen sachen von außen, von mächten, gegen die ich nicht ankämpfen kann und nicht zu letzt, auch von mir selber. habe ich diesen weg, meine leidenschaft, meinen traum aufgegeben? im herzen nicht. aber sonst? ich weiß es nicht und das schmerzt mich fast am meisten…auch kann ich den verlust einer großen und wichtigen freundschaft in diesem zusammenhang bis heute weder verstehen noch verkraften und alleine der gedanke daran schmerzt mich ungemein. zwar habe ich diesen schmerz so weit im griff, habe ich irgendwo tief in meiner seele vergraben, aber er entkommt mir doch immer wieder… wie ich das weiterhin lösen sollte, weiß ich nicht…denn die lücke, die diese person hinterlassen hat, ist extrem groß…

und dann haben wir letzte woche das 10 jährige gefeiert, der mann uns ich. gefeiert ist gut. im allgemeinen stress haben wir geschenke ausgetauscht und das war's. vielleicht schaffen wir es am kommenden langen wochenende in der hauptstadt mal essen zu gehen, aber sonst war die große romantik irgendwo anders, aber nicht bei uns. 10 jahre, wie im flug vergangen. ich bin wirklich schon so alt, um dies sagen zu können, das schockiert mich fast noch mehr als das jahrzehnt an der seite vom mann. und an diesem abend, während ich im bett gelegen bin, habe ich mich auch gefragt, ob diese 10 jahre meinen träumen, meine erwartungen entsprochen haben. und ehrlich, ich kann mir keine eindeutige antwort geben. wir haben ein wunderbares kind, ich bin dankbar für dieses. aber so vieles hat in der realität wenig mit meinen träumen von damals zu tun. und auch da enttäusche ich mich selber gewaltig, auch wenn die andere seite ebenfalls einiges auf die eigene kappe nehmen kann ;)

und schlussendlich, entwicklungen, die ebenfalls wenig mit eigenen vorstellungen zu tun haben. teilweise private momente, teilweise sonstige veränderungen und entscheidungen, die eben in richtungen gehen, die ich nicht erwartet hätte. einiges mit sicherheit auch positiv, einiges leider auch weit von träumen und erwartungen entfernt. menschen, die mutieren, entscheidungen, die wir anders getroffen haben, als sie realisiert wurden. irgendwie… mühsam.

sollte man so was überhaupt haben, frage ich mich, träume, wünsche, erwartungen? sollte man noch große träume haben in einem alter, wo vieles schon so vorgegeben ist? ist einiges an veränderung überhaupt noch möglich ohne dass enttäuschungen vorprogrammiert sind? einer meiner lieblingsautoren aus bosnien, mesa selimovic, hat ein berühmtes zitat: ich bin 40 jahre alt, ein hässliches alter. der mensch ist noch jung genug um wünsche zu haben, aber schon alt um sie zu erfüllen. auch wenn ich weiß, dass er einiges anders gemeint hat und dass das 40 heute nicht mit dem von damaligen zu vergleichen ist, fühle ich mich oft genau so in den letzten jahren. aber eben nur zum teil…

man darf mich nicht falsch verstehen, ich finde veränderungen per se immer noch nicht schlimm, im gegenteil. aber im moment fühle ich mich so richtig gefangen in den veränderungen, die mich im kreis, ja sogar nach hinten gehen lassen, statt vorwärts. auch in unserer beziehung drehen wir uns in kreisen und kommen nur mühsam und langsam voran und zu gewünschten resultaten. und auch in so vielen weitere bereichen habe ich in den letzten wochen diese erfahrung gemacht, dass es gerade etwas auffällig ist und mir stark zu denken gibt.

was will ich überhaupt sagen? puh, keine ahnung, wirklich. ich wünsche mir positives, veränderungen, die uns alle nach vorne bringen, die einen neuen, guten wind reinbringen, beflügeln und glücklich machen. es darf ruhig verschwinden, was mühsam ist, was uns bremst, was keine freude macht, ob ereignis oder mensch, bitte weg damit. auch für uns als paar wäre dieser frische, positive wind gut und wichtig. ich weiß nur nicht, von welcher seite ich ihn erwarten kann und stehe da - wie eine bestellte und nicht abgeholte mary poppins - mit meinem aufgespannten schirm und warte, dass der wind sich dreht…wenn er nicht bald kommt, muss ich wohl selber einen weg wählen und dann mutig springen in der hoffnung, die richtung passt für uns alle...