Montag, 20. November 2023

von alten, neuen wegen

täglich grüßt das chaosmurmeltier. der blog liegt schon wieder brach und nichts passiert, obwohl so vieles passiert. täglich denke ich daran, hier endlich wieder zu schreiben und täglich passiert hier nichts.

das jahr neigt sich dem ende zu. gut so. die großen hoffnungen aus der besondere jahr mit drei am ende wurden schon bald eher enttäuscht und das jahr war in erster linien mühsam. ich hoffe auf ein noch tolles finale und warten schon sehnsüchtig auf das neue jahr.

eine sache, die das jahr, in welchem ich und viele aus meinem freundschafs- und familienkreis runde geburstage gefeiert haben (und noch feiern werden) ist meine kleine rückkehr in die vergangenheit, den ein kleiner, für viele sogar ungedeutender arbeitsauftrag, führt mich einmal die woche in die kleine stadt im süden, wo ich wohl die schönsten jahre in diesem land verbracht habe. 

als die bessere hälfte und ich uns kennengelernt haben, haben wir in zwei verschiedenen städten gelebt, er in der, in der wir jetzt leben und ich eben im süden, in der kleinen stadt am see, wohin mich mein erster traujob geführt hat. war diese stadt jemals auf meiner liste der wunsche? nein. war der job mein traum? oh, ja. also habe ich gepackt und bin aus dem westen in den süden, in eine mir völlig unbekannte stadt, zu der ich keine beziehung hatte. 

wer mich kennt weiß, dass umziehen für mich keine kunst ist. dank meiner nomadenmutter haben wir diese übungen schon sehr oft im leben gemacht, mal mehr, mal weniger erfolgreich am anfang, aber am ende gab es meist happy end. das zahlreiche enwurzeln hat mir kaum geschadet, meist bin ich schnell geheilt und habe wieder wurzeln geschlagen, zugegebenermassen nie zu tief, weil wer weiß, wann sie wieder los möchte. neue sprache? nur kurzfristig ein problem, ich habe sie oft blitzschnell gelernt? neue freunde? tja, was soll man machen, wenn man ein extrem geselliger typ ist, man lernt wieder leute kennen, man fängt wieder von vorne an. immer und immer wieder wurde ich zu neuen wohnorten gezwungen, auch gut, es ist ein teil meiner biographie.


in die kleine stadt am süden bin ich freiwillig gegangen, da ich meinen traujob bekommen habe. es war ein ungewöhnliches, aber ein zauberhaftes gefühl. es war mein freier will, ohne zwang von aussen, ohne ein MUSS, es war ein WILL. war ich die erste zeit einsam? oh, ja. war es am anfang leicht? nein, absolut nicht, aber ich war jung, offen für neues und hatte das privileg, meinen absoluten traumjob zu machen, wieviele leute können das von sich behaupte. 

verstehen wir uns nicht falsch, die kleine stadt ist, so wie viele andere städte in diesem land, echt provinz. auch wenn landshauptstadt, dennoch klein, übersichtlich und ja, auch provinziell. das hat mich jedoch nie gestört, weil meine kleine welt so wunderbar war. job, freundeskreis, wohnung, stadt, alles was so, wie ich es mir gewünscht habe, es war von mir gewählt, von mir gestaltet, von mir so geliebt. als die bessere hälfte in mein leben kam, schien es geradezu kitschig perfekt zu sein, alles passte, so konnte es bleiben. tja...

womit ich nicht gerechnet habe, ist die sturheit, die in mein leben kam, so fand ich mich, bevor ich überhaupt mich umdrehen konnte, in dem leben hier und meine kleine provinzielle stadt war plötzlich weg. wenn auch nicht weit, habe ich anfänglich bewußt gewählt, nicht hinzufahren, denn es tat zu sehr weh, zu sehr habe ich mich bemüht, hier anzukommen. meist tat dies nur weh und war ein fehler, das weiß ich schon länger, auch wenn ich es mir nicht zugeben wollte.

zeitsprung nach 2023, oktober. ein kleiner arbeitsauftrag führt mich nun einmal die woche für einen tag, ab märz dann für zwei tage, in meine kleine südliche stadt. während die ersten paar mal alles tun aus schmerz bestand, ist nun der tag mein kleiner urlaub jede woche, der tag, wo ich zu mir selbst reise, wie in einer kleinen zeitreise. alles ist gleich und dennoch so anders. aber es fühlt sich so bekannt an, es schaut gleich aus, es riecht bekannt, es umarmt mich wie ein alter freund. die sehnsucht ist groß, diese umarmung für mehr als nur für einen, zwei tage zu geniessen, realität ist es aber, dass dies unmöglich ist. jetzt auf jeden fall. für immer? ich hoffe nicht. wenn es nach mir ginge, packe ich morgen und ziehe um. nicht ein letztes mal, davon bin ich überzeugt, aber mal für eine zeit. und jeder weitere umzug wird nur noch freiwillig, nie wieder anders. darf man von zeit zur zeit egoistisch sein? absolut. dieser plan ist mal fix, wenn dieser realisierbar ist, werden wir sehen. 

bis dann geniesse ich meine kleine reise in die vergangenheit und mache sie zu wenigstens teilweise meinem alltag. ich atme jede woche den tag wie eine frische, kalte brise, die mich zart umarmt und schöpfe kraft für den rest der woche. 


Donnerstag, 21. September 2023

von momenten, wo die zeit stehen bleibt

mitte september. eigentlich fast ende. mein runder geburstag liegt schon hinter mir, auch der vom mann im mai. der sommer ist hoffentlich wirklich vorbei, ein wunderschöner urlaub liegt ist ebenfalls verangenheit. so vieles ist passiert, so wenig gibt es dennoch zu erzählen. so sehr habe ich im moment meine mitte verloren, dass ich täglich kämpfe, aus dem bett zu kommen und stelle wieder mit bedauern fest, dass dies mein zweiter beitrag heuer ist bzw wird, sollt dieser, im unterschied zu vielen anderen, wirklich publiziert werden. 

das besondere jahr mit 3 hinten, das jahr, welches für mich, meinen mann, meinen halben freundschaftskreis, aber auch für die halb verwandschaft, einen runden geburstag mit sich bringt, hätte ein zauberhaftes werden sollen. ein jahr, in dem wir feiern, uns selbst, aber auch alle anderen wunderbaren menschen in unserem leben. ein jahr der freude, der dankbarkeit, des festes. einiges ist uns gelungen. der 60er der lieblingscousine, der 90er der lieblingstante, der 50er der besseren hälfte. geschafft. es war toll und besonders. mein 50er, tja, nicht so sehr. denn die letzten wochen, in die auch mein geburstag gefallen ist, haben mir wieder gezeigt, wie sehr das leben de factoein "randzustand" ist. auf dem rand zwischen freude und leid, lachen und weinen, leben und tod. plötzlich bleibt die zeit stehen. luftleerer raum, in mir, um mich herum. 

normalerweise funktioniere ich in krisensituationen perfekt. mein gehirn, wie man mich immer aufzieht, das einer sternzeichen jungfrau person, ewig nachdenkend, setzt in den überlebensmodus ein und ich funktioniere. von aussen ruhig und konzentiert, löse ich ein problem nach dem anderen. und dann kommt die nacht, in der mein gehirn weiter rattert, arbeitet, mich nicht zu ruhe kommen lässt. schon mehrere wochen. schlaf ist hier mangelware, ich versuche alle fäden in der hand zu halten und es gelingt mir großteils die auch nicht fallen zu lassen. zwischen krisenherd, zu hause, arbeit, tieren, alles irgendwie halbwegs abzudecken. halbwegs. denn die wohnung schaut aus, als wären wilde tiere durchgerannt, die wäsche stappelt sich, wir essen, was gerade da ist und ich warte, bis die zeit endlich weiter geht, bis ich endlich wieder das gefühl haben werde, zu leben und nicht in der krise zu stehen. 

ein lichtblick, der mich besonders freut, ist das pubertier. anders als ich, die nur nach außen positiv bin und völlig anders als die bessere hälfte, der in der krise die "vogelstraußmethode" anwendet, ist der junge mann ruhig, stoisch und optimistisch. nicht gespielt, er strahlt das alles aus. das eine oder andere mal nimmt nun er mich - mein kind und nicht mein vater- in den arm und tröstet mich. groß und stark wie er ist, ist er wirklich wie ein ruhiger hafen, in dem ich versinke. was für ein glück für ihn, dass er krisen so meistert. ich wünsche es ihm, dass das immer so bleibt und ihn diese ruhe sein ganzes langsam leben begleitet.

langsam, sehr langsam, bewegt sich die zeit. während ich noch vor einigen tagen nur ein schwarzes loch vor mir gesehen habe, beginne ich langsam durchzuatmen. nicht völlig, man könnte ja doch noch überrascht sein, aber etwas luft ist da und es tut richtig gut. wie lange es noch dauernd wird, bis meine lunge völlig frei ist, werden wir sehen. aber es wird. irgendwann. 

wenn ich pathetisch enden will, würde ich sagen, geht jetzt hin und umarmt und knuddelt eure liebsten. aber pathetik liegt mir von natur aus nicht. viel mehr kommt mir der letzte satz meiner lieblingsbücher in den sinn, der letzte, kurze satz der harry potter reihe. wer ihn nicht kennt, schlagt ihn nach. genauso wird es sein. irgendwann. 


Sonntag, 30. April 2023

vom nest verlassen, wenigstens für eine kurze zeit

neues jahr, schon vier monat alt, noch ein tag und auch der april ist vorbei. frühling vor dem fenster, neues semester, relativ "neue" arbeitstelle mit neuen räumen. ein neue intensive weiterbildung, die mir fast jedes wochenende verschlingt. ein frischer "neuer" 15 jähriger zu hause. und ich, so gar nicht neu, sondern eher in alten mustern. viel zu viel arbeit, viel zu wenig zeit für aktivitäten, die spaß machen. viel zu wenig energie, weil das verdammte virus, weltberühmt, mich seit herbst zu einer hustenden, schniefenden, elenden existenz gemacht hat, die von montag bis freitag arbeitet und spätestens am samstag wortwörtlich keine luft bekommen. soweit so gut. der erste beitrag für dieses jahr, längst schon überfällt. 
am donnestag früh, ich war etwas spät dran, weil mir das frühe ausstehen besonders schwer fällt, hat mich kind noch zwischen tür und angel informiert bzw daran erinnernt, dass er doch einen neuen rasierer braucht, weil er den für die reise am samstag unbedingt haben muss. warte, was? wie? ich war wach, plötzlich und in mir vermischten sich tausende gefühle. 
ja, ehemaliger "zwerg" ist 15, das habe ich mitbekommen. ich weiß und sehe, dass er täglich größer wird, alle seine mitschülerinnen von oben anschaut, größer als seine lehrerinnen ist. ich weiß, dass seine turnschuhe wie boote auschauen und unsere katzen darin locker sich ein nachtquartier machen könnten. aber das wort "rasierer" hat mich irgendwie... überrumpelt. ok, gut. männer haben haare im gesicht, das ist von der natur so vorgesehen. die reise am samstag, lange geplant und doch so plötzlich gekommen, hat mir dann den rest gegeben.
"zwerg" ist am samstag für zwei wochen ins ausland geflogen, seine erste sprachreise mit der schule, seine erste große reise völlig ohne uns. natürlich in begleitung, sogar mit seiner lieblingslehrerin (auch mit meiner), aber alleine, weit, lang. bis donnerstag morgen habe ich das irgendwie verdrängt, aber da er nun mal packen musste, tja, musste mutter auch aus ihrem traum aufwachen. mein blick ging zum mann, der meinte, wir sind dann völlig alleine und grinste. ich nicht, ich bin wortlos zur arbeit gegangen. um mir den rest zu geben, meinte dann der mann, als er einige minuten später zur bimstation nachkam, nächstes jahr sind wir dann sechs monate alleine. der wunsch, ihn auf die schienen zu stossen, war dann doch nicht stärker als die vernuft. 
tja, einige stunden später habe ich zu rotieren begonnen. erstens, weil ich am freitag den ganzen tag eine weiterbildung hatte und nicht zum einkaufen gekommen bin. und zweites... hier sich bitte eine alte und ausgelutschte phrase vorstellen, aber ja, das ging mir jetzt doch zu schnell.
die letzten jahre sind an uns allen vorbeigerannt, buchstäblich. in meinem gefühl hat die pandemie mindestens ein jahr für uns alle verschluckt und ich für meinen teil weiß oft nicht, welches jahr wir haben bzw wundere mich, dass es schon 2023 ist. wo ist 2020 hin, 2021 war doch noch nicht? und in dieser zeit wurde aus zwerg ein riese. er ging auch in dieser zeit von dem schon beschriebenen launischen individuum zu einem... sagen wir es mal sanften riesen. er ist ruhiger, ausgeglichener, bodenständiger geworden, die launen haben ihn nur noch selten im griff. hie und da etwas hysterie, vor allem, wenn er für die schule was machen muss und es doch in letzter sekunde macht, aber sonst kann man überraschenderweise wieder mit ihm reden. in einem normalen ton. bei ihm und bei mir. vielmehr, ich genieße seine gesellschaft unverschämt. er ist der cooles gesprächspartner, der entspannteste reisepartner, schaut sich mit mir jeden film, jede oder, jedes stück im theater an, er war letztens sogar in einer balettaufführung, die war "nicht ganz meins" war, aber er hat sie das stück interessiert angeschaut. ich halte in solchen momenten inne und weiß, dass das ab morgen anders sein könnte, aber ich genieße den moment unverschämt. 
nun macht er seit gestern die stadt der liebe unsicher, ab dienstag fahren sie dann in eine andere stadt, wo sie auch zur schule gehen werden. noch bin ich cool, aber schauen wir, wie das in einigen tagen sein wird. die fotos, die uns die lehrerinnen schicken, schauen nach einem riesenspaß aus und ich freue mich für ihn...und denke dabei auch stark an mich und die zeit, als ich flügge geworden bin. 
ich war genau 15, als meine mutter uns in ein anderes land, sagen wir es nett, bracht, sagen wir es weniger nett, verschleppte und ab da began mein pendeln zwischen meinen eltern, zwischen zwei ländern. die erinnerungen daran ist noch lebendig, als wären nicht 35 jahre vergangen und ich weiß noch, wie groß, erwachsen, reif ich mich gefühlt habe, ewig lang allein mit dem zug fahren zu dürfen. später, als das eine land eine neue politische form bekommen hat, musste ich sogar auf dem weg umsteigen, auch das war für mich "super leicht, schaffe ich doch mit links". ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich wäre nicht jedes mal super aufgeregt worden, aber die selbständigkeit, die mir diese reisen gegeben haben, das selbstbewußtsein, das sie geformt haben, ist bis heute hier. nie habe ich nur einen gedanken daran verschwendet, wie sich meine eltern fühlen, ob sie angst um mich hatten (keine handys, keine kommunikation für 12 und mehr stunden, je nach weg), ich wollte auf den weg, ich wollte reisen, ich wollte meinen vater sehen, ich wollte "frei" sein, die welt war groß und ich war neugierig. an dieses gefühl denke ich in den letzten monaten oft, jahrzehnte später fühle ich, wie ein stück der jungen frau, die mit ihrem koffer alleine quer durch europa gereist ist, sich gerade regt. back to the roots so zu sagen.
ich habe nie aufgehört zu reisen, auch als familie waren wir schon quer durch die welt unterwegs, intensiv, viel, von anfang an. dennoch haben die letzten jahre, nicht nur wegen der pandemie, einiges an stillstand gebracht. natürlich hat corona uns alle eingebremst, wie gesagt, die zeit ist geradezu stehen geblieben. dennoch fand ich es in den letzten monaten, als würde der stillstand mehr sein als nur eine nachwehe der pandemie. irgendwas... hat vor allem mich eingebremst, irgendwas hält mich zurück, obwohl ich mich doch nur durch bewegung definiere. und diese muss wieder alltag werden.
bei aller sentimentalität über das viel zu schnelle wachsen des pubertiers des hauses, ich bin froh, dass er die bewegung hat, dass er unterwegs sein kann, dass er die welt kennenlernen darf. diese erfahrungen sind gold wert, unbezahlbar, wichtig. mit seinen freundinnen dies tun zu können, umso beeindruckender. nur habe ich das gefühl, zurück geblieben zu sein und da muss ich für mich ansetzten. denn dem kind wachsen flügel, was gut und natürlich ist, aber ich muss meine abstauben und neu ausbreiten. 
wenn er nächstes jahr ein semester in frankreich verbringt, nehme ich das als anlass auch für mich etwas spannendes, neues zu finden, was mich aus dem stillstand bringt. verlassen eltern auch das nest, wird diese metapher auch so verwendet? keine ahnung, aber ich tue es jetzt einfach, für uns beide. es darf, nein, es muss gerade so sein. in welche richtung wer fliegt, wird die zeit zeigen, das nest wird da sein, wenn wir wieder zurück wollen. 


 



Samstag, 31. Dezember 2022

vor dem jahr, das auf drei endet

noch fünf stunden und das jahr 2022 wird auch zur vergangenheit gehören. der abend, auf den alle warten, alle pläne, super erwartungen haben, parties organisieren, sich geradezu überschlagen was man besonderes tun könnte. 

ich kann mich an zahlreiche silvernächte erinnern, die wirklich etwas besonderes waren. mit der familie als kind war das die zauberhafteste nacht von allen, wenn weihnachten war in meiner kindheit kein fest mit geschenken, silvester jedoch schon. die erwartung, die verbreitung, der sauber, alles das assoziiere ich eben mit der silvesternacht. später wurden es die intensiven parties mit freunden, lange bei meinem vater, dann auch im auslandssemester mehrere jahre hintereinander. mit tonnen von schnee auf dem roten platz, in dem lang, welches ich seit 22 jahren nicht gesehen habe und wohl auch nicht so bald sehen werde. mit internationalen freunden, jeder mit anderen traditionen um mitternacht, voller hoffnung, erwartungen, vorsätze. 

seit jahren habe ich keine neujahrsvorsätze mehr. seit junior auf der welt ist, ist silvester eher ruhig, anfänglich, weil das baby/kleinkind nun geschlafen hat, später, für eine kurze zeit, war seine aufregung dabei sein zu dürfen genug, um auch mich mit freunde zu erfüllen. nun ist er teenager und die pure aufgeregtheit, dass er bis mitternacht auf bleiben darf, ist schon längst nicht so spannend. 

knapp fünf stunden noch und wir schlittern in ein jahr, das auf drei endet. sollte sich jemand an einen post vor zehn jahren erinnern (ja, so alt ist der blog schon und sogar länger, auch wenn ich immer weniger schreibe), sind in meiner familie und in meinem freundschafskreis unzählige leute in einem jahr mit drei am ende geboren. seit dem alten beitrag, der hier als erinnerung zu finden ist, haben wir in der familie leider zwei menschen verloren, die nächsten jahr runde geburtstage gefeiert hätten, um so mehr möchte ich diese hoch leben lassen, die mit uns sind, die uns lieben und mit uns sein wollen. 


also habe ich doch einen vorsatz: so oft und so viel dabei zu sein, wenn runde geburtstage im jahr 2023 gefeiert werden. und wenn ich dabei noch 50 orte schaffe (angelehnt an den damaligen plan, 40 zu sehen, die ich leider nie dokumentiert habe, ev. gelingt mir das heuer), wird das ein gutes jahr. gesundheit und frieden sollte uns alle begleiten, familie, freunde, nach den pandemiejahren und den politischen ereignissen heuer bitte die ganze welt. alles andere schaffen wir dann schon.  

Dienstag, 29. November 2022

von der adventzeit

 wie jedes jahr kommt auch heuer der erste advent überraschend. plötzlich, gerade noch im urlaub gewesen, steht die adventzeit vor der tür. die stadt hat sich verwandelt in einen einzigen riesigen adventmarkt, die samstage werden zur hölle, man sollte plötzlich sich mit diversen wünschen auseinandersetzten, den eigenen wunschzettel überlegen, sich den kopf zerbrechen, was XY, der schon letztes jahr wohl mit dem geschenk nicht zufrieden war, heuer bekommen sollte, damit die sachen - immer von mir genau, gründlich und liebevoll ausgesucht - dann irgendwie in den tiefen der zimmer verstauben. gleichzeitig sollte man zu hause dekorieren, für das (mittlerweile) jugendliche kind weihnachtliche stimmung verbreiten und sich mit ihm freuen. ich bin erschöpft nach dem ersten absatz, dabei ist es nicht mal dezember. 

nachdem am sonntag liebe freunde aus dem ausland da waren, freunde, die wir nur einmal im jahr sehen - auch wenn ich sie am liebsten täglich sehen würde, aber tja, das ewige thema der entfernung - habe ich punkt eins, dekoration zum thema weihnachten, zu hause erledigt. abgehackt, punkt eins fertig. die geschenkeliste ist großteils fertig, einige punkte sich noch mit einem fragezeichen versehen, der briefträger macht überstunden und hasst mich seit einigen tagen leidenschaftlich. die frage, was ich mir wünsche, konnte ich bis jetzt erfolgreich vermeiden, denn auch heuer habe ich keine antwort darauf. langsam bin ich wohl alt genug, keine materiellen wünsche mehr zu haben. und je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr sehe ich, dass ich nur noch zwei sachen will, reisen und zeit mit menschen, die ich liebe, verbringen. oder die zwei aktivitäten verbinden. 

neben der jährlichen überraschung, dass advent plötzlich da ist, weihanchten vor der tür und ich jetzt, von einem tag auf den anderen, in dieser besonderen, zauberhaften stimmung sein sollte (die ich ehrlich das letzte mal als kind gefühlt habe, wenn überhaupt), überschlagen sich genauso plötzlich termine zu diversen weihnachtsfeiern. institut eins, institut zwei, sogar alte institute, an denen ich schon ewig nicht mehr, schicken einladen. die arbeit vom mann, die schule vom kind, weihnachtsfeier von diversen vereinen, aktivitäten des juniors wollen uns sehen, mit uns trinken und auf die "stille" zeit anstoßen. alleine der blick auf meinen kalender ermüdet mich. gleichzeitig weckt die zeit auch in mir den wunsch, menschen zu sehen, die ich lange nicht gesehen habe, leute einzuladen, mit menschen zeit zu verbringen, die mir lieb sind. aber wann, das ist hier die frage? und wer ist nicht erschöpft von vielen pflichtterminen im advent? 

einige jahre habe ich ein adventexperiment gemacht, ich habe mich in der zeit völlig aus socialen medien, diversen online plattformen etc. herausgekommen. einige male wurde der computer zu hause, außer in ausnahmefällen punkt arbeit, nicht eingeschaltet. dies ist mir mal mehr mal weniger schwer gefallen, irgendwann hat aber dieses "fasten" an wichtigkeit verloren. oft klicke ich gar nicht auf diverse plattformen, einiges ist mir egal geworden. wozu dann darauf verzichten? 

wieder ein anderes mal habe ich aufgehört nachrichten zu schauen, irgendwas sonst zu schauen. seit einige politischen ereignissen in der welt, die heuer seit februar meinen alltag indirekt begleiten, ist das auch nichts neues und nichts. um kein magengeschwür zu bekommen, muss ich einiges eh stark reduzieren. 


bin ich nun der personifizierte grinch? nein, ich glaube nicht 100%, aber es gibt momente, wo ich mir wirklich wünsche, den dezember in einem land zu verbringen, wo weihnachten keine rolle spielt, wo das leben normal läuft und man den jährlichen maraton nicht hat. nicht mitmachen? das probiere ich sowieso. sich das aussuchen, das einem gefällt? auch das mache ich schon sehr lange. aber wie die sehnsucht ersticken, die in einem dennoch entsteht, einem verlangen, etwas besonderes zu machen nach dem ersten schock, dass die zeit schon da ist? im bett bleiben und die welt ignorieren? kein weg. sich sein eigenes gewicht in keksen anfressen? auch unpraktisch. den vollen kitsch mitspielen? kaum auszuhalten. ich spiele auch diese jahr, wie jedes jahr, etwas das spiel mit, lade heuer niemanden zur einer kleinen feier ein (wieviele schaffe ein mensch, ohne durchzudrehen?) - ev erst später im jahr - und lese bücher, die hier ewig herumliegen, nichts mit weihnachten zu tun haben. und hoffe, dass mich das ende dieser zeit genauso überrascht - nun aber positiv - wie der plötzliche anfang. 





Dienstag, 5. Juli 2022

von einigen alten und neuen gedanken

der sommer und die hitze hat uns fest im griff diese tage, so sehr, dass ich kaum noch denken kann und rennend zwischen arbeit, zu hause, pubertier und doch wenigstens etwas freizeit, bin ich in erster linie ... atemlos. die letzte schulwoche hat angefangen, sie kann nicht schnell genug um sein, dann hat wenigstens das pubertier seine ruhe und kann die freie zeit genießen. frei ist allerdings relativ. der nicht mehr so kleine junge mann fährt in einigen tage das erste mal alleine ins ausland, die aufregung ist groß. ich glaube, bei mir fast größer als bei ihm. letzte woche war er auch das erste mal seit der pandemie mit der schule für eine woche weg, welch ein ereignis. und als mir mehrere bekannte zur "freien" woche gratuliert habe, muss ich wirklich schlucken und bin etwas ins grübeln gekommen. 

vor 12 jahren habe ich diesen beitrag hier geschrieben, der immer noch einer der meistgelesenen ist im blog, auch wenn ich schon lange leider nicht regelmäßig schreibe. chinesischer zirkus, die metapher mit den rotierenden tellern, gefällt mir bis heute ausgesprochen gut. mir gefällt es auch gut, jetzt, soviele jahre später, dass ich damals schon mein familienleben/arbeitsleben als teamarbeit gesehen habe, da war ich schon immer an der richtigen stelle. da ich am abend, bis heute, immer noch die teller vor

meinem innere auge sehen kann, würde ich heute allerdings, modern und fancy, das als "mental load" bezeichnen. ich weiß nicht, ob dieser ausdruck vor 12 jahren schon da war, ich kannte ihn auf jeden fall nicht. nun ist er etwas, was mir überall begegnet und welcher immer wieder mich noch mehr grübeln lässt.

ich bin eine alte faministin. da ich in einigen wochen 49 sein werde, kann mich langsam wirklich als "alt" in diesem punkt bezeichnen, denn seit ich denken kann, ist das thema gleichberechtigung, frauenrechte, webliche lebenskonzepte, was "macht eine frau und was nicht" ein thema in meiner familie. zuerst in meiner herkunfsfamilie, nun auch in der, die ich gegründet haben. einiges, was heute thematisiert wird, war im hause p schon in den 1970ern eine selbstverständlichkeit. reden wir davon, warum. weil ich künstlereltern hatte, die nie mainstrem waren, sich nie an gesellschaftliche normen orierntiert haben und denen sämtliche vorgegebenen konzepte fremd waren? möglich... weil ich eine mutter hatte und habe, die sich nie in vorgegebene rollen hineinpressen hat lassen und immer fand, dass sie als frau alles gleich machen darf, wie männer? ebenfalls sehr möglich. weil sie beide hochgebildet, liberal, weltoffen und vereinfacht gesagt, einfach cool waren? ja, vielleicht. war es aber ev. das land, in dem ich meine ersten lebensjahre verbracht habe, welches durch die nicht immer gute politische richtung die frauen emanzipiert hat, wie kein anderes westliches land das je gemacht hat und teilweise bis heute nicht getan hat?  auch eine antwort. die wahrheit liegt aber wohl in der kombination all dieser theorien. also wurde klein lena so erzogen, wie sie erzogen worden wäre, wenn sie auch ein junge gewesen wäre, liberal, offen, ohne vorgegeben normen und nie, aber auch nie hat sie den satz "du darfst/muss das (nicht) machen, weil du ein mädchen bist" gehört. ja, meine eltern waren cool, ich bin ihnen bis heute sehr dankbar. 

mit 15 wurde ich in dieses land, in eine für mich fast parallelwelt, gebracht. und ab da wurde ich glühende verfechterin meiner menschenrechte, meiner frauenrechte, meiner gleichberechtigung. mein recht unangenehmes zu hinterfragen hat so mache diskussion entfacht, so mache person war danach beleidigt, so macher hat sich auf den schlips getreten gefühl. mir war das immer egal, in meinem jugendlichen enthusiasmus fand ich es wichtig, einiges anzusprechen, ohne rücksicht auf verluste. ich war laut, direkt, habe gegen sämliche vorgegebenen/erwarteten bilder von weiblichkeit rebelliert. meine erste, 15 jährige beziehung, war alles andere als traditionell, schon gar nicht kleinbürgerlich, für mich das absolut verhasste wort. ehe? nein, danke. kinder? na ja, wären wohl willkommen gewesen ab einem gewissen alter, aber nur unter bestimmten bedingungen. ich als hausfrau, mutter, eherfrau? eine schreckliche vorstellung alles in einem. war ich immer sympatisch? das wage ich zu bezweifeln...aber ich wusste, was ich wollte, das kann man wirklich sagen. 

wenn ich heute mein leben anschaue, weiß ich in einigen punkten nicht, wie ich mir selbst das erklären sollte, denn es sind... sagen wir es mal... hoppalas passiert. oft habe ich mich in den letzten jahren dabei erwischt, von meinem lebenskonzept als "kleinbürgerlich" zu denken und mich zu fragen, ob es wirklich so kommen musste. bei einigen punkten bin ich immer noch, nach 17 jahren ehe, überrascht und möchte mich umdrehen um zu schauen, wer diese frau ist, von der man in diesem kontext spricht. die tatsäche, dass ich in eine wirklich kleinbürgerliche schwiegerfamilie geheiratet habe, lässt mich auch nach vielen jahren tief luft holen, die junge lena wäre wohl schon 100 mal explodiert. frau hat diverse kompromisse gefunden, ok. im großen und ganzen wurschteln wir uns durch. die tatsache, dass ich einen zukünftigen mann erziehe, hat auch einige punkten in mir... nicht verändert, aber nun aus einer anderen perspektive sehen lassen. ich hoffe innständig, dass ich da einiges richtig gemacht habe. 

wenn ich allerdings die lebenskonzepte in meiner umgebung beobachte, werde ich aber immer wieder innerlich zu der 15 jährigen aktivistin. wir sind nun ende 40, fast 50. viele haben schon erwachsene kinder, teilweise enkelkinder, zahlreiche ehe sind in die brüche gegangen. altersarmut wird plötzlich ein thema bei einigen frauen. alleinerziehende mütter, die um grundlegende sachen kämpfen müssen. frauen, die von den männern völlig abhängig waren, frauen, die sich jahrelang auf die letzte stelle gestellt haben. und dann, immer wieder virtuelle begegnungen mit jüngere müttergeneration, die mir den glauben an die menschheit nehmen. klassische rollen, egal wohin ich schaue. wie ist in den letzten jahrzehnen nichts passiert, bitte? 

nichts ist natürlich nicht passiert, aber nicht genug. immerhin wird über einigen themen immer mehr gesprochen, auch wenn wenig gehandelt wird. oder zu wenig. immerhin gehen einige statistiken in die richtige richtung, auch wenn die entwicklungen im schneckentempo passieren. immerhin darf ich einiges laut sagen und es wird wenigstens genickt, während ich vor 30 jahren noch groß angeschaut wurde. aber es ist alles viel zu wenig...

immerhin haben wir nun den ausdruck "mental load". das, was frauen schon immer geleistet haben, das, was schon immer da war, das, was auch ich gefühlt und nicht benennen konnte, hat nun einen namen, es werden bücher über das thema geschrieben, artikel verfasst, darüber gesprochen. auch wenn ich es wichtig finde, diesen ausdruck zu kennen, sich mit dem, was dahinter steckt, zu beschäftigen, sehe ich dennoch, dass das benennen des problems nicht die lösung ist. oft sehe ich nicht mal einen kleinen schritt in richtung lösung. woran liegt das nun? an der mentalität? an der tatsache, dass viele frauen sich keine gedanken machen wollen? dass man immer noch das konzept von "frauen gehören zu den kindern/zum haushalt" festhält? dass die meisten männer immer noch nicht dazu erzogen werden, die arbeit, die erziehung, den mental load zu teilen? dass wir frauen einige konzepten immer noch unterstützen? nicht rebellieren? nicht aufschreien? oder nicht gehört werden? 

mich hat das leben... in vielen sachen nach hinten geworfen. der wille zum kompromiss, der wünsch doch ein kind zu erziehen mit jemandem, der einen anderen lebensstill vorgelebt bekommen hat (sorry G. solltest du das lesen) und in dem einigen konstrukte tief sind, auch wenn er weiß, dass sie falsch sind. und wenn ich ehrlich bin, sind einige sprüche, die ich mit 15 so empörend gefunden habe, auch bei mir nicht abgeprallt, leider. das permanente schlechte gewissen, welches unsere gesellschaft der frau in dem moment, wo sie mutter wird, in die hände wie einen begrüßungsstrauß überreicht, beginne ich nun jetzt, nach 14 jahren, nur langsam zu zerrupfen. und ich hätte oft lust frauen, denen ich im leben, in natura oder virtuell, begegnen, mit diesem strauß auf den kopf zu schlagen, wie im zeichentrick film. so wurde mir heute virtuell erklärt, dass die hausarbeit wichtig ist und man sie erledigt muss, bevor alles andere passieren kann und dass diese für die person (weiblich wohlbemerkt) "me-time" bedeutet. also die hausarbeit. was antwortet man darauf? warum definieren frauen sich selbst so? würde ein mann das gleiche schreiben? ich wage es zu behaupten, nein. 

was wollte ich eigentlich in diesem langem text sagen, außer, dass ich den blog wieder mal beleben wollte? dass ich frustriert bin? ja, teilwiese schon. dass ich über die frauen, denen ich täglich egal auf welcher plattform begegne, teilweise schockiert bin? ja, das auch. dass ich mich selbst oft in momenten erwische, die ich vor 30 jahren abgelehnt hätte, mich selbst ausgelacht hätte? ja, leider das auch. dass man sich vor allem als frau endlich mit sich und seinem eigenen "mental-load" beschäftigen wollte? jep, auch das. und dass ich bei der definition "freie woche", nur weil das kind nicht da war, schlucken musste? ja, vor allem das. denn die tatsache, dass das pubertier nicht da war, hat meine woche nicht frei gemacht. alles andere war ja immer noch da. und ich glaube, er ist so ziemlich der einige 14 jährige, der nicht nur emotiv, sondern auch anders von seiner mutter vermisst wurde. er schafft es nämlich schon in seinen jungen jahren etwas zu tun, was so mach erwachsener mann nicht kann: mir ein teil des mental - loads abzunehmen, wenn er da ist, läuft einiges leichter. ich weiß nicht, ob er sich dessen bewusst ist, ob er weiß, welches lob das aus meinem mund ist. nun wird er von den 9 ferienwochen genau zwei da sein.... es wird ein langer, heißer, arbeitsreicher und mühsamer sommer. 


             

 

 

 


Montag, 10. Januar 2022

von möglichkeiten sich fit zu halten

noch bevor ich mich daran gewöhnt hatte, ferien zu haben, sind diese schon um. zwei wochen sind buchstäblich verpufft, heute morgen ging das chaos wieder los. wecker auf sechs uhr, das pubertier irgendwie aus dem haus schaffen, dann sich selbst treten und losziehen zur arbeit, unterricht den gesamten tag. morgeng wieder inkl. unterricht am abend. und dann wieder noch mal und so bis ich am freitag mittag fertig bin, mit der arbeit und der welt meistens. 

in den letzten jahren hat sich bei mir beruflich einiges verändert. während früher der unterricht einen teil meiner arbeit ausgemacht hat, den teil, den ich am meisten liebte, unterrichte ich nun eigentlich nur noch. immer wieder denke ich mir, man sollte gut überlegen, was man sich wünscht, denn vor jahren war genau das mein wunsch, der unterricht sollte meine hauptarbeit sein. tja, das universum hört mir gut zu, dieser wünsch wurde erfüllt. während ich eigentlich meine arbeit immer noch sehr leidenschaftlich ausführe, wundere ich mich oft über mich selbst, woher ich die energie noch finde so viel zu geben, wissen zu vermitteln, für die studis da zu sein, stundenlang zu reden, zuzuhören, zu trösten, zu verstehen, zu geben. gegen donnerstagabend bin ich meist schon völlig ausgequetscht, am freitag zu mittag wünsche ich mir zwei tage, wo ich mit niemandem reden muss. aber ab morgen funktioniert es dann doch wieder. 

die letzten zwei jahre waren allgemein enorm kräfteraubend. eigentlich ist allen klar warum, ich werde dem thema sicher noch einen text widmen. im moment sei nur erwähnt, dass ich irgendwann letztes jahr so weit war, mich in ein loch zu verkriechen und mich dort für monate zu verstecken. und da dies nicht ging, habe ich beschlossen, etwas für mich zu tun, mir selbst etwas gut zu tun und mich wieder fit zu machen. die frage war nur, wie?

wer mich kennt, weiß, dass ich nicht sportlich bin. in wahrheit mag ich sport überhaupt nicht, wintersport noch weniger als sport im sommer mit der ausnahme vom schwimmen, welches ich am liebsten im meer mache. schwimmbad ist auch ok, kostet mich aber enorm viel überwindung und überhaupt, wenn das wasser nicht salzig ist, ist der spaßfaktor sehr gering. alles andere an sportarten interessieren mich nicht, einige finde ich umwelttechnisch eine katastrophe, andere gefährlich, bei anderen muss man sie wohl gemacht haben, als man noch windel getragen hat, um sie zu mögen. somit drehte ich eine extra runde mit dem hund und suchte da nach keinen neuen möglichkeiten. 

in einer familie von im kopf beweglichen menschen aufgewachsen, fiel mir nichts anderen ein, als mich geistig fit zu halten. etwas neues tun, etwas neues lernen, reisen, meine hauptsächliche energie - und kraftquelle geht ja seit fast zwei jahren nicht, also etwas neues, aufregendes, tolles. somit habe ich - wie auch die bessere hälfte - mich wieder auf der universität eingeschrieben. wie zwei 18 jährige, aufgeregt und interessiert. interessiert... er sicherlich mehr als ich, denn nachdem ich alle curricula und alle studienrichtungen angeschaut habe, die die stadt bietet, habe ich verstanden, tja, mich interessieren nur fächer an der fakultät, die ich nie verlassen hatte, an der ich seit ich 18 bin nun mal bin. ob als studierende oder unterrichtende, das ist nun mal mein platz. diese tatsache hat mir einerseits sehr gut getan, denn ja, ich habe schon vor jahren das studiert, was ich wirklich liebe. auf der anderen seite hat es mich frustriert, denn ich wollte doch was neues lernen. einige semester geschichte haben mir gezeigt, nein, geschichte gut und recht, leidenschaft geht alledings anders. aber wie halte ich mich nun geistig fit, was mache ich neues außer lesen, was hier sowieso eher sport als hobby ist? das offensichtliche war so nah, sprachen.

ich spreche einen haufen sprachen. wenn wir genau sind, sieben fließend, auf muttersprachen bis c2 niveau. ich kann diese und es gefällt mir enorm, dass ich sie kann, dass ich so viele nationen verstehe, dass ich mich so international bewegen kann. zwei weitere habe ich in der schule gelernt, verdrängt und ich könnte zur not wohl dort überleben, aber eine liebe zu diesen sprachen ist nicht wirklich da... und dann ist dann noch...spanisch. zu spanisch habe ich eine magische verbindung, seit ich 17 war. vor vielen jahren, in meiner schule am ende des landes, in dem dorf, in dem ich die schönsten jugendjahre verbracht hatte, hat sich ein junges mädchen aus chile verirrt, das die sprache erlernen wollte. es konnte nichts, außer spanisch, es war das erste mal alleine so weit von zu hause entfernt. und ich konnte unmengen an sprachen, nur kein spanisch. also saßen wir da und sprachen mit dem wörterbuch. wort nachschlagen, zeigen, umgekehrt. bis sie so weit deutsch konnte, dass eine kommunikation möglich war. nach 10 monaten konnten wir miteinander kommunizieren, die freundschaft war aber schon vorher trotz sprachlosigkeit tief, fest und für immer. als sie wieder nach hause flog, nahm ein stück von mir mit und hinterließ die liebe zur sprache, zum land, zum kontinent, die die ihren waren. 

trotzdem ist mein spanisch bis heute... so gut wie nicht vorhanden. immer kam etwas dazwischen, immer war was anderes wichtiger, nie konnte ich die sprache besser lernen. einige anfängerkurse, dann wieder pause, dann wieder alles vergessen. reise nach spanien, einiges aktiviert sich, wieder alltag. so nun seit...hust...einige jahrzehnten. nie genug zeit, nie genug energie, mal braucht man das geld für etwas anderes, stehe ich heute da und bin immer noch spanischanfänger, während ich mir meiner freundin aus chile, die es immer noch in meinem leben gibt, nun auf englisch spreche. aber dieses jahr, heuer, jetzt, ändert sich das gerade. nach einem weiteren versuch in einem kurs etwas zu lernen, habe ich mir einzelstundend organisiert und die vergangenen ferien jeden tag eine privatstunde mit meinem wunderbaren spanischlehrer online verbracht. und ich fühle mich wie 8 und 88 zugleich.

mein gehirn raucht und überschlägt sich geradezu, während der nicht mehr so junge, aber sehr energetische herr mir täglich ordentlich anheizt. das passive wissen, angesammelt über jahrzehnte, schwirrt in meinem kopf, dieser fühlt sich meist wie ein bienenkorb an, in dem hunderte von insekten aus spanisch surren und mich irre machen. ich fühle mich völlig hilflos, während ich 80 % vom gespräch verstehe, aber gerade 10 % wiedergeben kann, weil mir die einfachsten wörter fehlen, wissentlich, dass ich sie mal kannte, aber ich sie im kopf nicht mehr finde. fragen nach diversen filmen, büchern, autoren, musik eröffnen erinnerungen an die zeit mit meiner freundin, als der gesamte spanische kulturkreis noch präsent war, romantitel fallen mir ein, längst vergessene liedertexte. die tatsache, dass wir auf seite 75 im buch angefangen haben, sollte mich stolz machen, irgendwie stress es mich aber auch, denn das tempo war schnell, die stunden intensiv, ich war meist atomlos wie nach einer sporteinheit. aber ich habe sie so genossen, wie schon seit jahren nichts anderes. oh ja, ich kann es noch. mein kopf funktioniert, auch wenn langsamer als vor 30 jahren, aber immer noch schneller als beim durchschnitt. ich weiß, wie spreche funktioniert, ich kenne grammatikstrukturen, ich weiß, wie was geht, oft sogar ohne alle vokabeln zu verstehen. ich bin gerne gut, die kleinen schritte und erfolge machen mich stolz. und nach den ferienwochen habe ich gerade, beinhart und ohne zu wissen, wie ich das in jeder hinsicht schaffen sollte, sei es energetisch, zeitlich, finanziell oder sonst wie, mir weitere stunden gebucht. nur ein-, zweimal die woche, aber es geht weiter. ende nicht in sicht, bis ich wohl meine lieblingsautorin im original lesen kann. oder endlich ein flugzeug nach chile nehmen darf und mit meiner freundin aus spanisch reden kann. oder sonst was.

somit kommt zu meinem stressigen alltag noch das, sprache lernen. vokabeln lernen, zehn mal das gleich wort nachschlagen, bis ich es endlich kann, mich über mich selbst dabei ärgert, unregelmäßige verben lernen, im stress hausübungen schreiben. klingt furchtbar? hätte ich auch vor jahren gefunden. jetzt ist es wie ein urlaub, eine erfrischung im alltag, eine brise frischre luft, die nach reisen riecht. sport? nein? gehirnsport? oh, ja. ein marathonlauf könnte mich nicht fiter halten, würde mir aber nicht mal ein bruchteil der freude bereiten. somit buche ich heuer als neujahrsvorsatz keine mitgliedschaft im fitnessstudio, die ich dann eh umsonst zahlen würde, sondern einen weiteren block an spanischstunden. und wer weiß, vielleicht kann ich in diesem sommer endlich doch einige wörter irgendwo anwenden, mit vorliebe irgendwo mit meeresblick. 

Sonntag, 2. Januar 2022

von alten traditionen und neuanfängen

mehr als zwei jahre nach dem letzten post, 2020 und 2021 überspringend (es sind einige beiträge entstanden, die ich aber nie gepostet habe), ein leises lebenszeichen von mir. piep. es gibt mich immer noch. irgendwie. in irgendeiner form, wie auch immer man das definiert. es wäre sinnlos zu versuchen zu beschreiben, was in den letzten zwei jahren passiert ist, ein post wird dieser sehr bewegten, skurrilen, komischen, tragischen und fast grotesken zeit nicht gerecht werden. ich denke, in den nächsten wochen und monaten werde ich immer wieder themen aufgreifen und über einiges sinnieren, es hat sich einiges angesammelt. kommt zeit, kommen die themen.

heute, am zweiten jänner, erinnere ich mich an einen alten aberglauben vom balkan, dass der tag symbolisch für das gesamte zukünftige jahr steht. was man heute macht, macht man das ganze jahr. was man machen will, sollte man heute machen. was man nicht machen möchte, sollte man tunlichst vermeiden. schon als kind fand ich diesen tag teilweise lustig, denn alle erwachsene um mich herum fingen plötzlich an einen eiertanz aufzuführen, nicht zu streiten, besonders nett und höflich zu sein, liegengebliebene arbeiten in die hand zu nehmen, alte hobbies auszuüben, mit einem wort, das perfekte jahr zu konstruieren. etwas älter machte ich es dann doch auch mit. lernen für fächer, die man nicht mochte, eine proseminararbeit, die schon längst hätte fertig werden sollen, wenigstens aufschlagen, später diverse große arbeiten wie diplom- oder doktorarbeit gerade heute schreiben. ich habe mich als kind über die erwachsenen amüsiert, später über mich selbst geschmunzelt. man könnte ja doch etwas verhauen, es könnte doch etwas daran sein und ich hätte dann die chance auf das perfekte jahr selbst zu nichte gemacht. 

in den letzten jahren habe ich diesen brauch ignoriert, der blog ist liegengeblieben, besondere aktivitäten wurden sowieso nicht gemacht, auch nicht am zweiten jänner. zwar habe ich immer wieder besonders an den blog gedacht und ihn nicht für immer aufgegeben, aber gerade am ende und am anfang des jahres nicht geschrieben. was sollte ich auch schreiben? warum sollte ich rückblicke von 12 monaten schreiben, die mir teilweise ausser stress und schmerz nichts gebracht haben, fragte sich pathetisch mein balkanherz? drama liegt mir ja bekanntlich im blut (diese habe ich erfolgreich auch an das kind weitergegeben, der sich selbst als dramaking bezeichnet), aber wenn auch wir einiges an drama reduzieren, tja, es war mir nicht nach schreiben. fast zwei jahre pandemie hinterlassen nun spuren, auf meiner seele gerade in den letzten monaten besonders tiefe. 

heute den blog wieder zu beleben sollte aber doch eine symbolische bedeutung haben. ja, ich will wieder schreiben, ich habe lust, wieder zu schreiben. wie regelmäßig mir das gelingen wird, kann ich nicht voraussagen, aber alleine die tatsache, dass ich es wieder tun will zeigt mir, dass es doch noch machen gibt, die aufs virtuelle papier wollen. 


ein rückblick? dieser könnte sich im satz "gott sei dank sind wir gesund und haben keine verluste einzubüßen" zusammenfassen, frau ist ja bescheiden geworden. diverse wunden werde ich im neuen jahr versuchen wieder verheilen zu lassen. die tatsache, dass das letzte jahr das erste in meinem leben war, an dem ich das meer nicht gesehen habe, sollte menschen, die mich kennen, die ausmaße der schweren situation zeigen. aber ich wollte ja keinen klassischen rückblick machen.

pläne, wünsche, träume, vorsätze? keine herkömmlichen heuer. bescheiden und leise wünsche ich mir, dass wir auch nächstes jahr gesund und ohne verluste schaffen. aber einen vorsatz habe ich, einen, den ich mir eigentlich schon letztes jahr im mai vorgenommen habe und ihn heuer beinhart durchziehen werde: ich höre wieder auf meinen instinkt, auf mein bauchgefühlt und mache, was für uns als familie mir richtig erscheint, was uns gut tut, was für uns positiv ist, ohne rücksicht auf verluste. klingt hart? eventuell, auch wenn ich es so hart nicht meine. ein post zum thema entsteht schon lange in meinem kopf. 

der tag heute wird somit alte traditionen ehren und ja, wir werden mal probieren, einiges zu machen, was wir hoffentlich dann doch das ganze jahr machen. freunde treffen, brettspiele spielen, in ruhe lesen, sich nicht gegenseitig auffressen, die pubertät in ruhe lassen, handlettering, lachen, spanisch lernen, was immer uns spaß macht. gleichzeitig ist es aber auch ein neuanfang. ein neues jahr, neue möglichkeiten, neuer text. und wenn dieser bedeutet, dass ich heuer mehr schreiben werden, auch gut, ich publizieren ihn heute noch. die alten traditionen des balkans sich hie und da vielleicht doch nicht nur leeres aberglaube. 

Samstag, 20. April 2019

von der neuen definition alten begriffe

das osterfest steht buchstäblich vor der tür. still war es wieder hier auf dem blog, viel zu lange, wie ich finde. die gründe sind zahlreiche und teilweise müssen texte über diese noch im mir ausreifen, denn jeder tag, jede woche, jedes wochenende der letzte monate waren voll, intensiv und hat einiges von mir und auch von uns allen abverlangt. tatsächlich sind wir alle drei, mann, kind und ich, in den letzten wochen oft an unseren grenzen gestossen, gleichzeitig haben wir kräfte entwickelt, von denen ich nicht mal wußte, dass wir sie haben. vor allem kind hat einiges an selbständigkeit gezeigt, die ich ihm noch nicht zugetraut hätte, er sie so erwachsen, so reif und so vernünftig geworden, dass ich die seltenen momente, wo er dann doch altersgemäß "spinnt" fast schon genieße. gut so, so sollte es sein.

neben unmengen an punkten, über die ich noch gut nachdenken muss, wie ich sie verarbeite, wie ich sie finde, wie ich sie aufschreibe, war und ist das ereignis der letzten wochen, dass meine mutter nun aus der hauptstadt hier drei häuser weiter von uns eingezogen ist. eingezogen ist alles noch zu optimistisch gesagt, ihre sachen sind seit drei wochen in ihrer neuen wohnung und sie wohnte noch vor einigen tagen bei uns. so weit so gut. der umzug dauernd allerdings schon fast zwei monate. der gesamte märz stand im zeichen des chaos, mann ist kilometer gefahren um beim packen, ordnen, schleppen etc. zu helfen, ich habe auf dieser seite alles organisiert, geschlichtet, renovieren lassen, sonstige arbeiten verrichtet, gleichzeitig kind, job und sonstige kleinigkeiten (und größere, noch nicht zu verratende sachen) koordiniert. nun packen wir seit wochen aus, schachtel für schachtel kämpfe ich mit meiner immer schlechtgtelaunteren mutter, was weg gehört, was sie unbedingt braucht und ohne was sie nicht leben kann. geduld ist hier langsam auf beiden seiten mangelware.

aber....obwohl die arbeit körperlich anstrengend war und noch immer ist, hatte mein kopf zeit zum nachzudenken. teilweise habe ich sachen ganz nostalgisch ausgepackt, mich an sachen erinnert, an momente gedacht, denn viele dieser sachen zeugen nicht nur vom lebensweg meiner mutter, sondern waren auch ein teil von meinem, von unserem familienweg, einiges aus der zeit, als es uns vier noch gab, einiges später, als nur meine mutter und ich zusammen lebten. während ich schachtel für schachtel auspackte, mich sogar dabei ertappte neugierig zu sein, was sich in der nächsten alles versteckt, musste ich da an so viele vergangene momente denken, an familienmitglieder, freunde aus der vergangenheit, einige, die es leider schon lange nicht mehr gibt, einige verstreut durch die welt. und an den begriff "elternhaus", den es in meinem leben zwar gibt, aber ganz anders definiert wird als bei vielen.

meine mutter war und ist immer noch eine nomadin. wohnorte, wohnungen, häuser, städte, egal, ob sie sie mochte oder nicht, sah und sieht sie als einfache momente in ihrem leben, die für eine phase gepasst haben und wenn es nicht mehr ok war, dann packte sie und ging. und wir, später nur ich, mit ihr. immer habe ich sie dafür bewundert, mit welcher leichtigkeit, mit welcher selbstverständlichkeit das alles für sie normal war und wie sie, auch schon wesentlich älter als ich jetzt, immer wieder neu anfangen konnte, neue freunde fand, neuen mikrokosmos aufbaute und gleichzeitig die alten freunde nie verlor, sondern auch in der zeit ohne internet und billige telefonie den kontakt hielt. ich habe erst jetzt, bei diesem umzug, beim auspacken von ihren sachen einiges davor verstanden, mir in erinnerungen gerufen und ja, ich bewundere sie wiedereinmal dafür, dass sie immer so souverän ihren weg ging und ihn noch immer geht. "home is, where my hat is", das ist meine mutter und ich dachte, ich sei auch so, mein leben lang. wenn es irgendwo nicht mehr passt, wenn es beruflich nicht weiter geht,  wenn die stadt, das klima, was auch immer nicht gut ist für dich, packe und gehe. kein problem, kein thema. freunde, die richtigen, bleiben auch dann, neuanfang ist gut. tja...

nun packe ich eben ihre und nicht unsere sachen aus. denn sie, um einiges älter, ist in unsere nähe umgezogen, nicht wir in ihre. der wunsch zusammen zu sein, war ja schon länger da. mein wunsch in ihrer nähe zu sein auch, aber irgendwas, irgendwas, was durchaus noch einen einen text und eigene gedenken verdient, bremst mich seit jahren. so hat meine mutter nägel mit köpfen gemacht. mal wieder. und ich bewundere sie maßlos dafür...

um zum gedanken zurück zu kehren, ich hatte nie EIN elternhaus und unsere definition von diesem ist völlig umklassisch. mein elternhaus bewegt sich, so wie meine mutter sich bewegt. dieses ist dort, wo sie ist, wo nun ihre schachteln, ihr sachen und so machen krempel steht. sie wohnung nun seit einer woche in der neuen, drei häuser entfernten wohnung und ja, es reicht schon nach meinem elternhaus, schaut auch langsam danach aus. von ihrer flexibilität möchte ich mir langsam eine dicke scheibe abschneiden und hoffe inständig, dass wir noch lange dieses vorbilde haben. zu hause ist, wo man gerade ist. im moment in der ****straße nr. 7 :) 

Sonntag, 3. Februar 2019

von veränderungen, die nicht wirklich welche sind

das wochenende hat leider auch ein ende genommen, morgen beginnt eine neue woche. die erste im februar. in unserem haus beginnt sie für die männer langsam, denn kind bleibt morgen noch zu hause und nun ist auch der mann krank und somit mit ihm. die zwei dürfen ausschlafen, ich beneide sie wirklich ehrlich darum. für mich jedoch beginnt die arbeitswache, eine wohl besondere, denn sie beginnt mit einer beruflichen veränderung. wenn man diese so nennen darf. 

das neue 2019 hat heuer ja mit ganz, ganz viele "vorsätzen" begonnen, ganz anders als sonst, will ich in diesem jahr einiges wirklich verändern, es aber tatsächlich langsam und durchdacht angehen. alles auf einmal ist utopisch, mehr als einen schritt kann man ja kaum gehen. step by step, wie es so schön heisst, ein fuss nach dem anderen. einige veränderungen und "vorsätze" betreffen meine gesundheit und meine ernährung, dazu werde ich noch separat schreiben. einige andere wünsche, die mein im moment eher schmerzendes inneres verlang, sind noch im entstehen, ich bin gespannt, ob sie gelingen. aber ein zentraler wunsch war und ist, sich beruflich zu verändern. vor fast 6 jahren habe ich diesen beitrag geschrieben, http://lenas-chaoswelt.blogspot.com/2013/04/von-offenen-wegen.html, an dem tag, als einiges sich für mich arbeitstechnisch verändert hat und es klar war, ich muss doch neue wege gehen. oder weggehen, um die alten bestreiten zu können. noch vor dem zwerg hätte ich meine sachen gepackt und wäre dem beruf nachgegangen, denn, wie schon hoffentlich erwähnt, habe ich vor jahren, als andere noch überlegen mussten, was sie tun wollen, meine leidenschaft zum beruf gemacht. kaum jemand kann sich das vorstellen, aber es gab keinen tag, an dem ich diesen weg nicht geliebt habe, auch an tagen, an denen es probleme, diverse schwierigkeiten, merkwürdige kollegen etc. gab. jeder einzelne tag war ein fest. jeder weg zur uni eine freude. und jedes mal hatte ich die aufregung im auch, dieses besondere kribbelt, wie vor dem treffen mit der person, in die man verliebt ist. glück pur, egal was war. diese entscheidung, doch hier zu bleiben, das kind nicht vom allem zu trennen, was er kennt und liebt, hat mich unmengen an schlaflosen nächten, tränen gekostet, schmerz, der zeitweise kaum zu ertragen war, zog in meine seele ein. und dort sitzt er nun seit jahren. fakt ist, ich habe es so entschieden. nicht ganz freiwillig und eindeutig nicht zu meinen gunsten, aber die entscheidung ist nun mal gefallen. der schmerz, der pathetisch gesagt, niemals vergehen wird, kommt im wellen, anfänglich in großen, die mich fast jede stunde getroffen haben, dann immer seltener. bis vor einigen monaten hatte ich ihn soweit im griff, die meiste zeit konnte ich ihn vergessen. bis er mich im herbst wieder getroffen hat, denn er alternative berufliche weg...hat mich komplett ausgesaugt. 

nicht falsch verstehen, ich habe einen weg gefunden, der durchaus ein kompromiss ist und wenigstens elemente davon besitzt, was ich mal gemacht habe. der neue weg hat auch einige vorteile, so hatte ich nun einiges mehr zeit fürs kind und das ist auch gut so, denn ich möchte keine dieser momente missen. dennoch... ich wollte was neues, wenn nicht zurück zum ursprünglichen, dann einen völlig neuen weg. offene wege. noch nie klag die idee so gut. 

aber das ist da noch das leben, der alltag, die verpflichtungen und der zwang, doch den offene weg zu lassen, sondern den sicheren, erprobten weg wieder anzugehen, weil man nun mal keine 20 ist und nicht mehr die möglichkeit zu experimentieren hat. die bitteren momente des erwachsen seins. ich habe sie schon mit 17 vorhergesagt und befürchtet...

somit überlege ich seit tagen, wie die veränderung, die ab morgen in mein leben kommt, ist? gut oder eher... nicht schlecht, aber suboptimal. mal wieder ein kompromiss, mal wieder etwas, was wir zwar alle im moment für richtig halten, brauchen, aber das mich wieder nicht weiter bringt, mich wieder fängt in einen alltag, den ich so sehr verändern wollte, wieder einen schritt weg von meiner leidenschaft und einen schritt näher am eingespielten alltag. auch wenn am morgen die kulisse einen andere ist, der weg ist bekannt und ich bin kaum aufgeregt. optimistisch möchte ich aber dennoch bleiben. es ist ein neuer start. das ist gut. da kann einiges entstehen, positives, gutes, aufregendes. das hoffe ich mal ganz stark!

Mittwoch, 30. Januar 2019

von den ersten wehen der vorpubertät

mittwoch, heute ist erst mittwoch. kind und ich sind seit samstag zu hause gefangen, denn der kerl hat es geschafft sich mit fast 11 seine erste mittelohrentzündung einzureissen. so sehr er mir leid tut, denn diese ohrenschmerzen müssen wirklich schrecklich sein, genauso sehr hat das ganze mit wut angefangen, denn er kerl hat, obwohl verkühlt und von mir verboten, einige aktivitäten in der kälte gemacht, die ihm nun offenbar nicht gut getan haben. so verbringen wir zwei die woche zusammen, ich meine letzte am vormittag zeit haben woche, denn am monat beginne ich am neuen institut zu unterrichten. somit sind alle meine pläne dahin und wir sitzen zu hause. es ist eben...erst mittwoch.

nicht falsch verstehe, ich liebe es, zeit mit dem kind zu verbringen. auch zu hause, mal nichts tun, er beschäftigt sich sowieso gerne alleine, liest, hört musik und hörgeschichten. da wir immer noch sehr technikfrei sind, ist tägliches schauen nicht drinnen, aber wir haben durchaus ideen, was wir doch anschauen könnten. trotz allem hätte ich lieber einige andere pläne realisiert und auch kind wäre wohl, nachdem die chemie gegriffen hat und er endlich schmerzfrei ist, lieber in der schule mit seinen freunden. tja...es ist eben...erst mittwoch.

der junge mann wird in knapp 3,5 wochen 11 jahre. die nostalgie und die sprüche über das schnelle vergeben der zeit habe ich mir heuer bis jetzt erspart, denn wie jedes jahr um den geburtstag herum scheint der durch eine phase zu gehen, durch einen entwicklungsprung, durch eine veränderung. und diese heuer ist, wenn ich ehrlich bin, langsam etwas mühsam.

mein heuriges resümee der fast 11 jährigen mutterschaft läuft irgendwie darauf hinaus, dass diese wohl aus phasen der kinder bestehen. eine jagt die andere und in wahrheit ist man permanent in irgendeiner veränderung, offenbar bis sie so weit sie auszuziehen. ich darf ansicht nicht klagen, einige phasen hat kind hier übersprungen, einige sind harmlos verlaufen, bis auf die s.g. "6 jahres krise", die hatte es in sich. allgemein ist kind aber von anfang an höchst kooperativ und pflegeleicht, aber halt doch... ein kind. und nun scheint das in eine andere richtung zu gehen. der spaß beginnt wohl langsam :D

seit wochen ist kind...als gäbe es zwei von ihm. der verschmuste, kooperative, wunderbar sensible und mitfühlende kerl und dann, seele nr. zwei, mr. hayd. plötzlich, wie aus dem nichts oder sagen wir, für mich noch nicht wirklich abzufangen möglich, hört er auf dem vernunfsohr nicht, sondern setzt in den modus der sturheit. die mutter hat nein gesagt? hm, ich glaube, ich sollte genau das machen, was sie nicht will. die mutter sagt gar nichts? offbar ist das der freischein zu machen, was ich will? die mutter versucht seit 11 jahre mir einiges beizubringen? ich mache genau das gegenteil, weil eh egal. und wenn sie dann nicht gerade positiv reagiert, tja, dann werde ich einfach hysterisch. das alles in kombi macht uns zwar beide fertig, aber was soll's. man sollte offenbar seine kämpfe austragen, auch wenn es leichter ginge.

ich verstehe den begriff der (vor)pubertät, eigentlich kann ich mich an die zeit noch sehr gut erinnern, genauso wie die bessere hälfte. wir sind beide voller mitgefühl und sympathie für die phase, die so notwendig ist, aber von allen so viel kraft fordert. ich sehe aber auch mal wieder, dass die genetik ein hund ist, denn die hoffnung, dass kind in diesem punkt mann gleicht, habe ich schon längst abgelegt. dieser hat es nämlich in seiner rebellischen, pubertierenden phase wirklich hart krachen lassen: er saß im zimmer, hörte wagner und las cäsar im original. ich weiß ehrlich nicht, wie seine eltern das überlebt haben. mir schlottern die knie alleine beim gedanken :D

da wir dieses glück nicht haben, stelle ich immer wieder fest, dass kind, auch welch überraschung, in seiner rebellion nach mir kommt. ich war zugegebenermassen ein spätzünder (er offenbar überhaupt nicht), aber als ich mal explodierte, was es unschön, für alle um mich herum, aber vor allem auch für mich. ich kann mich so gut an dieses chaos der gefühle erinnern, an die stimmungen, die permanente wechselten, an die sehnsucht, die ich nie definieren konnte. und an die lust, alles zu machen, was de facto nicht ok war. das wußte ich immer. ich wußte auch, wann es potenziell lebensgefährlich werden könnte und habe da gestoppt. auf diese genetik hoffe ich ebenfalls stark. aber mit 11 jahren spielte ich noch friedliche mit puppen, na ja, eigentlich kletterte ich eher auf bäumen, was ich sagen wollte, ich war noch wirklich ein kind. ganz anders ex zwerg.

dieser ist de facto von anfang an...älter, als er biologisch ist. philosophierend auf die welt gekommen, hinterfragt, zweifelt an und überlegt er sachen, die ich glaube ich erst mit 16 überhaupt angedacht habe. somit ist er logisch nicht immer einer meinung mit mir, was jetzt nun noch öfter vorkommt. als er kleiner war, konnte man ihn leichter ablenken, leichter sogar in eine andere richtung lenken. jetzt, fehlanzeige. der balkantrotzkopf kombiniert mit dem steirischen holzkopf ergibt offenbar titan. so diskutieren wir tag ein tag aus, über jede noch so kleine kleinigkeit, die schon seit jahren selbstverständlich ist, über größere dinge, einfach über alles. oft werde ich pädagogisch wertvoll laut, oft gebe ich nach, oft bin ich die schlechteste mutter der welt. alles gut, offenbar machen ich doch einiges richtig. aber es zehrt an meinen nerven und macht sie immer dünner. 

wie immer in momenten, wo ich reflektiere und mich als mutter hinterfrage, lese und schreibe ich. ja, ich bin eine lesende mutter und ich stehe dazu. bücher sind kein tabu hier bekanntlich, wissen kein schimpfwort. logisch ersetzt das alles nicht mein bauchgefühl, aber die kombination von beiden elementen hat sich in den letzten jahren doch bewährt.
somit kamen einige bücher beim letzten besuch der beliebten buchhaltung mit, ua auch ein buch vom jesper juul, den ich seit jahren wirklich gern habe. er mag alter hut sein, es mag bessere geben, aber niemand gibt einer gestressten mutter eine bessere absolution, authentisch zu sein als er. schauen wir mal, was er zu der phase, die vor uns ist, sagt. laut klappentext jedoch meint er, dass wir mit der erziehung mit 12 fertig sind und danach... ja, was danach frage ich mich? ein jahr noch und dann sind wie geliefert? ein jahr noch und dann lasse ich mich einliefern? ein jahr noch und ich wandere nach australien aus? ich bin jedenfalls auf die weitere lektüre gespannt.

bis ich damit fertig bin, setzten wir weiter zu hause, wechseln zwischen lesen, hören, spielen und unzufrieden sein ab. eventuell hole ich doch noch einige filme und schokolade. denn es ist bekanntlich... erst mittwoch. 





Donnerstag, 10. Januar 2019

von der liebe und dem hass in der küche

der alltag hat uns, mit einem tag verspätung, nun doch wieder erwischt. kaum sind die männer aus den schneemassen nach hause gekommen, musste ich kind am montag mit husten doch zu hause lassen, somit haben wir die ferien um einen tag verlängert. ehrlich, ich habe es genossen, den tag alleine mit ihm zu haben, doch wieder auszuschlafen, einiges zu hause zu erarbeiten, aber auch zusammen zu sein, zu reden, einen film zu schauen. gerne hätte ich das auch noch am dienstag gemacht, aber kind, das skurrile wesen, wollte unbedingt in die schule. er klingt zwar immer noch wie ein kettenraucher, aber sonst gab es überhaupt keinen grund dafür, die freizeit zu verlängern. tja... dann halt nicht. mein unterricht hat auch nun angefangen und somit: willkommen im alltag.

da mein heutiger unterricht erst am späten nachmittag ist, spiele ich am vormittag hausfrau. die wohnung habe ich schon so weit aufgeräumt und ausgemistet, dass es direkt eine freude ist, teilweise  erschrecke ich aber, wenn ich einzelne zimmer betrete, weil ich ein chaos, welches nun mal kaum noch da ist, erwarte. es ist allerdings noch einiges an tiefenreinigung offen. papiere warten geordnet zu werden, fotos von x jahren stapeln sich, von digitalen fotos gar nicht zu sprechen. ich bin wohl die weit und breit einzige mutter, die nicht jedes jahr alle fotos des kindes sortiert, peinlich genau ordnet und dann ein fotobuch macht. in unserem fall gibt es unzählige ordern und unterordnet auf diversen trägern, sei es computer, laptop, stickt oder CDs, die seit fast 11 jahren geduldig warten, sortiert und geordnet zu werden. ich weiß nicht, ob ich die ambition habe, das alles bald zu machen. einige bücher wären aber schon schön, ich fürchte allerdings, dass dies mehr als ein jahresprojekt werden wird, ev ein pensonsprojekt dann?

der alltag zwingt mich allerdings einiges wieder in die hand zu nehmen, publikationen, die hier ewig rumliegen, arbeiten, die fertig werden müssen. auch kind hat die tage, nachdem er nun eben doch in der schule war, für seine hausaufgabe ewig gebraucht, er ist ebenfalls noch im ferienmodus, aber es gab kein zurück und keine gnade.und das chaos hat uns sowieso ganz fest im griff, alltagsgriff ewie schultasche richten (während ich unterrichte) sind offenbar wieder verlernt, gestern vormittag fand ich seine federschachtel säuberlich auf dem schreibtisch liegen, heute die fleissig erledigte mathehausübung. tja, er wird sich organisieren müssen. ich ebenfalls, denn es hat mich gestern auch einige male recht chaotisch erwischt.

aber mal ehrlich, ich hasse einige aufgaben des alltags. der haushalt kann mir gestohlen bleiben, weder putzen noch bügeln noch irgendwas in diese richtung hat mir je spaß gemacht und ich glaube, so alt kann ich gar nicht werden, dass ich an einer dieser aufgaben freude finde. mann geht es nicht anders. wir machen und tun und sind zwar immer halbwegs sauber, aber spaß ist es keiner. eine einzige sache, die mir früher immer wirklich freude bereitet hat, war kochen.

als mensch mit balkanwurzelnd muss kochen mir ja im blut liegen. wenn alles so laufen würde, wie man es erwartet, müsste ich kochen noch vor dem ersten schritt, balkanfrauen sind schließlich koryphäen und können in der volksschule ein huhn schlachten und ausnehmen, burekteig so rollen, dass man zeitung durch die einzelnen blätter lesen kann und noch vor der matura ein essen für 30 ausrichten ohne hilfe. tja, nicht in meiner familie. meine mutter hat viele talente, aber in der küche ist sie völlig hilflos und hat schwierigkeiten kartoffeln zu kochen. meine tanten, beide nicht begnadet, auch wenn um einiges bemühter als meine mutter, die kochen für eine lästigkeit hält und nicht zugeben will, dass es eigentlich wie eine kunstform genommen werden kann.

den zepter hatte bei uns mein vater in der hand, was für die menschen, die ihn vor der ehe mit meiner mutter kannten, bis heute kaum zu glauben ist. in erster ehe mit der perfekten hausfrau verheiratet, fanden sich irgendwann meine eltern, die pianistin, die kein ei kochen konnte und der schriftsteller, der nicht mal wußte, wo man brot kauft. aber not und vor allem hunger machen bekanntlich erfinderisch. und da er nicht darauf hoffen konnte, dass diese liebe durch den magen geht, fing mein fast 50 jähriger vater an selbst zu kochen. nicht schlecht, recht solide konnte er das. vor allem klassische balkanrezepte, die wir alle gerne gegessen haben. es war nicht immer leicht, denn ich war recht heikel, aber er schafft es auf seine doch reifen tage recht gut kochen zu lernen. die verwandtschaft war schockiert bis amüsiert, wenn er dann, nachdem er jahrelang nicht mal einen finger in der küche rührte sie regelmässig anrief, um von den älteren verwandten rezepte einzuholen.

mit dem umzug in dieses land übernahm ich, zarte 15, den kochlöffel. ungern, denn ich konnte nicht viel. hätte ich das kochen jedoch meiner mutter überlassen... na ja, ev. hätte ich jetzt keine figurprobleme und würde in die kleinste kleidergröße passen. da ich aber hungrig recht unsympathisch bin, beschloß ich, einiges selbst zu lerernen. somit bin ich in der küche völlig autodidakt, ich entdeckte jedoch immer stärker den spaß daran zu kochen, zu experimentieren, neue lebensmittel und rezepte auszuprobieren, kochbücher zu kaufen und lange darin zu schmökern. das internet machte es mir dann klar noch leichter, denn zahlreiche rezeptseiten, foodblogs und vieles mehr half mir, doch einiges zu lernen.

was ich immer geliebt habe ist andere zu bekochen. je mehr menschen, umso besser. grillparties, abendessen, diverse feste, alles war eine tolle gelegenheit für andere zu kochen. während des auslandssemesters in moskau war die küche unser lieblingsraum und immer war jemand da, für den ich auftischen konnte. ob bei der besseren hälfte die liebe durch den magen ging, weiß ich nicht, aber er hatte einiges an feuerproben auszuhalten und zu zeigen, dass er gut und gerne isst, auch neue, für ihn unbekannte speisen kamen immer gut an. und dann kam herr zwerg....

das kleine, reizende wesen hasste schon seinen ersten löffel, wie in filmen machte er ein angewidertes, überraschtes gesicht und das essen kam langsam, aber sicher aus dem verzogenen mund heraus. egal, was ich probierte (und ja, eine balkanmutter wird ganz unrund, wenn das kind nicht essen will), die begeisterung hielt sich in grenzen. 1000 wege, das kind gesund, abwechslungsreich und spannend zu ernähren, fürs kind zu kochen, dem kind jeden essenswunsch von den lippen abzulesen gingen schief, oft wollte er nicht mal probieren. seltene helle momente erweiterten sein essenplan doch zu einer recht vernünftigen sache, aber experimenten und neue rezepte, fehlt am platz. kochbücher blättern um etwas auszuprobieren, gerne, aber ohne zwerg. lange gespräche und gutes zureden, beim kochen helfen, fehlt am platz. wenn das essen am tisch war, bleib der mund zu.

ich gehe davon aus, dass viele jetzt denken, verwöhnter fratz. kinder sollten essen, was auf den tisch kommt und überhaupt, niemand hat auf uns rücksicht genommen und wir liefen 10 kilometer ohne schuhe im schnee zum nächsten supermarkt und überhaupt. alles schon gehört, alles mir schon selbst gesagt. aber wenn ich ehrlich bin, halte ich vom zwang am esstisch nichts und ich esse auch nichts, was mir nicht schmeckt. somit alles gut. ich bin regelmässig genervt, aber er darf essen, was halbwegs schmeckt und ich hoffe stark auf die pubertät. allerdings ist meine lust zu kochen gründlich vergangen. durch meine zöliakie gepaart mit kind und seinem verständnis vom guten essen wird kochen hier im hause p auch immer mehr zu einer herausforderung, die mich überfordert.

somit sind wir in der küche...langweilig. experimente gibt es so gut wie gar nicht mehr, ich koche zwar nach wochenplan, aber diesen könnte ich de facto einmal schreiben und so stehen lassen, denn ich habe das gefühl, ich würde ständig das gleiche einkaufen und kochen. einige lebensmittel möchten wir eltern schon gar nicht mehr sehen. mich kann man nun seit jahren mit thunfisch jagen, der mann muss nur mais sehen und schon macht er ein salto rückwärts. sein lieblingsgemüse, brokkoli, erzeugt beim kind den wunsch sich zur adoption frei zu geben. und jede kochentscheidung weckt den wunsch, mir entweder einen koch zu leisten oder im pizzaladen an der ecke ein abo fürs kind zu buchen.

aus liebe ist somit die letzten jahre wirklich hass geworden, die kochbuchsammlung langsam aufgelöst und im zweifelsfall mache ich mir ein brot und koche immer das gleiche. aber irgendwie... in dem allgemeinen wünsch hier etwas zu verändern, will mein inneres wieder mit leidenschaft kochen oder wenigstens mal etwas neues essen, spannendes ausprobieren. ja, eventuell mit ich lebensmüde und mach damit mein leben nur noch schwerer, aber einiges neues sollte passieren. und weil ich das ungern alleine mache, muss es hier mehr "ess-besuch" geben. denn seien wir ehrlich, immer nur butterbrot, das sogar in der glutunfreien variante, macht das leben nicht wirklich schöner.

Samstag, 5. Januar 2019

von familienbande

die letzte wochenende der freien liegt vor uns, ab montag hat uns der alltag wenigstens teilweise wieder. mann hat trotz schneefall, husten vom kind und meinem unwillen kind, hund und ein auto voller unnötigem zeug gestern zu seinen eltern auf den berg verschleppt, ich habe mich dieses mal erfolgreich geweigert die wohnung zu verlassen. somit genossen sie die letzten tage im metertiefen schnee auf dem berg und ich die stille in der wohnung mit entmisten, lesen und lieben freunden. irgendwie doch eine win-win situation, wie ich finde.

trocken gesagt, muss ich es so nehmen. während ich gestern alte beiträge hier auf dem blog gelesen habe, musste ich feststellen, dass ich noch nie über familie geschrieben habe, vor allem nicht über diese, die hier, im land, in dem wir leben ebenfalls wohnen. ich glaube, es war bis jetzt ein bewußtes davon drücken, eventuell hat es sich aber auch nicht ergeben. was ich jedoch weiß ist, dass die familienbande, die uns umgibt, ein gesamten blog fühlen könnte und mehrere abendfüllende filme, sei es als komödie, tragödie, tragikomödie oder bollywood film mit überlänge. wenn ich so bedenke, wäre die verbindungen davon, eine art lateinamerikanische seifenoper (im hiesigen dialekt) wohl die beste plattform. ich denke, dass das der wahre grund war, dieses schien unmögliche unterfangen in einem blogeintrag darzustellen.

eines seit hier mal klar gestellt: ich bin ein großer fan von familie, vor allem von großfamilien, mit tanten, onkeln, cousinen xten grades, angeheirateten menschen und ihren kindern, kindeskindern und stiefurenkeln. ich liebe laute familientreffend, chaos, unmengen an essen, irgendwann die unvermeidlichen streitmomente, die dann wieder so schnell wie sie aufgeflammt haben, auch gelöscht werden. keine großen dramamomente, aber doch einfach... lebendig und authentisch. ich denke mir das alles auch nicht aus, denn so schaut die balkanfamilie aus, meine verwandtschaft väterlicherseits. auch wenn es immer weniger große treffen gibt, wir quer durch die welt verteilt sind, die alten wirklich alt sind und großteils auch nicht mehr leben, wenn wir zusammen sind, ist es ein fest. und ich geniesse es mit jeder faser meines daseins. kind hat leider wenige große treffen erlebt, aber wenn doch mal welche stattgefunden haben, hat er gezeigt, dass er mit uns eindeutig verwandt ist. er geht in der menge auf, wirft sich menschen um den hals, die er einmal im jahr siehst, spricht über seine familie, liebt sie und fühlt sich, je größer die runde, sichtlich wohler. alleine von der stiefurgroßmutter (vor einigen monaten 108 geworden) hat er von anfang an angst, was ich ihm nicht wirklich verübelt kann. sie meidet er tunlichst und da sie ist seit mehreren jahren nur noch im bett liegt, ist dies auch nicht schwer. im großen und ganzen kommen wir nach jedem besuch voller positiver energie zurück, denn egal was passiert, egal wie wir sind, egal wie wir uns benehmen, wir werden geliebt. weil wir familie sind. und so sollte es sein.

auch die bessere hälfte wurde schon beim ersten besuch sofort umarmt, geküsst und nach minuten akzeptiert. der mann, den ich liebe, gehörte sofort zu ihnen und dies wurde nie hinterfragt. die tatsache, dass es selbst doch auch ein recht sympathischer kerl ist, machte es natürlich noch leichter, aber auch wenn nicht, hätte niemand irgendwas gesagt. er gehörte zu mir, somit auch zu ihnen.

lustigerweise lernte ich seine herkunfsfamilie erst später kennen. an einem nebligen novemberwachende vor vielen, vielen monden stand ich vor einem kleinen haus in den alpen, in meinen besten klamotten damals und läutete an die tür. spätestens hier hätte ich mir das publikum, welches "neeeeeeeeein, geht nicht rein" gewünscht, die frage ist nur, ob ich überhaupt gehört hätte. draussen war alles weiß, denn der neben lichtete sich das gesamte wochenenen nicht, drinnen wurde ich empfangen und wie eine kuriosität betrachtet. ein höfliches händeschütteln, ein viel zu schnelles "du" von seinen eltern, ein von oben bis unten permanent betrachten von seiner schwägerin. ich, naiv und von meiner großfamilie nun mal anders erzogen, nah sie so, wie ich es nun lernt habe, offen und ehrlich... denn ich kam ja, um die familie meines zukünftigen mannes kennen zu lernen, ich wollte ein teil von ihnen sein, ich wollte sie lieben. tja... fehler...und die spiele haben somit begonnen...

viele jahre sind seit diesem wochenende vergangen und ich bin durch sämtliche phasen des staunens, hinterfrages, später der wut und trauer durchgegangen. meine anfänglich naiven "warum?" fragen bleiben offen, mit der zeit habe ich verstanden, dass man das dort nicht fragt. meine versuche mich zu distanzieren, gerade am anfang fast unmöglich. miteinander reden, eine kunst für sich. während ich doch immer dafür bekannt war, klar und deutlich sagen zu können, was ich denke und fühle und das auch immer respektvoll versucht habe, ist alles, was meine irgendwann schwiegereltern hören "bla, bla ginger!" seine eigene meinung zu haben, die sich gott bewahre von ihrer unterschiedet, unerhört. das  bedeutet sie zu beleidigen und zu "beschimpfen". tja, ja und amen lag mir noch nie. einmischungen, die schon vor der hochzeit so massiv waren, dass ich es kaum fassen konnte, beleidigungen, intrigen, dummheiten waren jahrelang auf der tagesordnung, hätten wirklich besser in eine seifender gepasst als in die realität. die meiste zeit konnte ich es nicht fassen, dass das alles nicht ein schlechter roman, sondern meine "neue familie" ist.

seit kind da ist, habe ich mich noch mehr bemüht, dass das kind wenigstens seine großeltern kennt, zumal die schwägerin vom mann es irgendwann geschafft hat, den umgang der brüder zu sabotieren. mein sohn sah seinen onkel und cousins somit das erste mal mit fast 5 jahren. aber egal wie sehr ich mich bemühe, mars und venus sind verwandter als wir. wenn ich schweige, passt es nicht, wenn ich rede, reisse ich das gespräch an mich und das ist klar auch nicht ok. wie ich das kind erziehe, passt nicht, ich ernähre ihn nicht gut, er wird zu wenig angezogen, die wahl des kindergartens, der schule, der schuhe, der unterhosen, alles, aber auch alles, ist anders und nicht passend. der autistische großvater, der de facto kaum in kontakt treten kann und die putzwütige großmutter, sind eine schwere nuss. kind fühlt das natürlich auch. während der sich auf dem balkan von jeden küssen und drücken lässt, gibt er seiner hiesigen verwanschaft, so wie er es von ihnen brav gelernt hat, die hand. die lächerlichkeit der situation, ist ihm auch schon längt bewußt, aber das ist nun der weg, wie sie es machen. und dennoch, bemühe gerade ich mich um den kontakt zu ihnen. ich denke an jeden geburtstag, jeden feiertag, kaufe seit fast 15 jahren für jeden von ihnen die geschenke, motiviere das kind anzurufen, lade zum geburtstag vom kind ein, erinnere den mann, dass geburtstage sind, dass er treffen organisieren sollte, seine eltern und seinen bruder zu diversen veranstaltungen und auftritten vom kind einladen sollte, verschiebe urlaube, weil jemand geburtstag hat (zu dem wir dann oft nicht mal eingeladen sind) etc. etc.... ehrlich, ich bin es müde.

ich bin mir sicher, dass kind von ihnen geliebt wird, das ist hier nicht die frage. na ja, wenigstens von den großeltern. aber die distanzierung, die kälte, das gefühl, eben nicht geliebt zu werden, weil man zur familie gehört, ist dort extrem. und letztes jahr einfach für meine im moment extrem sensible seele zu viel des guten.

so saß ich vor knapp einem monat bei einem "familienessen", schwiegereltern, schwager mit familie und wir und "feierte" den geburtstag des schwiegervaters. ich war richtig krank und konnte kaum sprechen, aber ja, es ist eine familienfeier, da geht man trotzdem hin. vollgepumpt mit medikamenten, aber ich war dort. de facto hätte ich es aber lieber gelassen, denn es gab mit sicherheit leichenschmäuse, die lustiger und unterhaltsamer waren. kind war klug und hatte ein buch eingesteckt,  welches ich ihn auch lesen ließ, auch wenn es unhöflich war, denn niemand, aber auch niemand, sprach mit uns mehr als zwei worte. einige nicht mal das. und während ich mich nach meinem bett sehnte und essen verschlang, welches für mich ob der medikamente de facto keinen geschmack hatte, beschloss ich, es reicht.

ich muss nicht ein teil dieser familie sein, die mich seit mehr als einem jahrzehnt so offensichtlich nicht will. ich muss somit auch nicht mehr zu jedem treffen, ich muss keine geschenke kaufen für menschen, die mir teilweise noch nie was geschenkt haben, ich muss nicht dafür sorgen, dass sie eingeladen werden zu event, zu denen sie das kind auch schon längst weder erwartet noch dabeihaben will. ich erwarte nichts mehr und gebe auch nichts. ich bin höflich und distanziert, so wie man nun mal ist, zu menschen, die man kaum kennt. denn familie funktioniert anders. somit sind kind und mann das erste mal seit längerer zeit alleine zu den großeltern hingefahren, sie geniessen den schnee und ich gewisse hier eine saubere wohnung und liebe freunde. win, win.

lustigerweise stand genau heute auf dem kalender, den ich von einer lieben freundin bekommen habe (danke liebe u. noch mal an dieser stelle) der folgende sprich: "familienleben ist das beste band. otto von bismarck." ja, ist es. und ja, familie ist überhaupt das tollste und schönste, was man haben kann. aber wer sagt, dass "familie" aus menschen bestehen muss, die mit einem verwandt oder verschwägert sind? denn, wie richard bach mal meinte (egal, ob es etwas pathetisch klingt, ich mag ihn):




(zitat/bild von: https://izquotes.com/quote/richard-bach/the-bond-that-links-your-true-family-is-not-one-of-blood-but-of-respect-and-joy-in-each-other-s-208403)


Mittwoch, 2. Januar 2019

vom chaos und reorganisieren

der zweite jänner, der zweite tag im neuen jahr, hat seit meiner kindheit eine sehr symbolische bedeutung. auf dem balkan existiert der glaube, dass dieser tag symbolisch für das gesamte jahr steht und dafür, was man machen wird. man sollte versuchen nicht zu streiten, den tag harmonisch gestalten, aber auch sachen in die hand nehmen, die man endlich erledigen will, wie liegengebliebene arbeiten, aktivitäten, die man ev. schon lange doch ausprobieren wollte, realisieren.  meine ganze kindheit durch war somit der zweite tag im jahr teilweise recht lustig, wir sind wie auf eiern herumgelaufen im versuch, ja nichts falsches zu machen. auch später habe ich immer wieder sachen zu hand genommen, die fertig werden sollten, sei es proseminararbeiten, die herumlagen, diplomarbeit oder dissertation. heute sollte helfen, dass es gut läuft. passt.

die den letzten jahren war es unterschiedlichst, wobei ich mir sicher bin, dass ich letztes jahr irgendwann die nerven geschmissen habe und angefangen habe zu brüllen. vor einigen jahren, genervt von sturer mutter, unfolgsamen kind und nicht kooperierendem ehemann, habe ich sie genau an diesem tag ins auto gesetzt und zur oma in die hauptstadt geschickt. die restlichen freien habe ich dann alleine genossen, war auch keine schlechte aktion. 

heute... heute habe ich ein projekt weiter gemacht, welches schon seit einigen wochen andauert, denn seit anfang dezember versuche ich hier, aus diversen gründen intensiver, als mir lieb war, unter dem alltagschaos unseren wohnraum zu reorganisieren. verfolgt von einem hartnäckigen virus, der mich immer wieder gebremst hat, habe ich zimmer für zimmer, kasten für kasten versucht neu zu gestalten, unnötiges wegzugeben, zu verkaufen, neu zu organisieren. es war ein langer und teilweise mühsamer prozess, denn das ganze passierte neben dem normalen alltagswahnsinn inkl. krankheitsausfällen von meiner seite. ja, ich weiß, einiges an chaos sollte innerlich auch in ordnung gebracht werden, daran wird auch gearbeitet, aber den wohnraum endlich so organisieren, dass ich nicht das gefühl habe, wir wohnen auf und nicht mit den sachen, war echt schon dringend nötig.

de facto ist es natürlich ein luxusproblem. wir sind drei personen auf 125qm, das ist überhaupt nicht wenig. in meiner kindheit waren wir vier auf ca. 65, mein mann vier auf 75, allerdings mit keller, garage und garten, was wir nicht hatten. auch wenn ich mir immer ein eigenes zimmer gewünscht habe, es ging auch so und es hat uns außer etwas platz nichts gefehlt. dennoch erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich hier unzufrieden bin, weil wir einfach zu viel sachen haben. somit musste einiges weg.

weiters hat mich lustigerweise eine folge der "neuen" gilmore girls inspiriert, als emily nach marie kondo ausmistet. neben der tatsache, dass ich fast tränen bei der szene gelacht habe, hat mich die szene dazu gebracht, über die dame etwas zu googeln. und so hat die sache hier angefangen...

die vier stufen der dame waren hier mühsam, vor allem der punkt bücher (die anderen sind kleidung, hier kaum nennenswert, papiere, halbwegs in ordnung und restliches, zu dem küche und bad ua gehören. hier hatte ich einiges zum umorganisieren und das war's dann auch). aber bücher. bücher in jedem raum, bücher im wohnzimmer, im schlafzimmer, bücher sogar in der küche und auf dem klo, Bücher vom kind, die langsam überall sind und überhaupt... bücher, bücher, bücher und ein nicht kooperativer mann, auch nur ein buch auszusortieren. bitte nicht falsch verstehen, ich liebe bücher. sie sind hier nicht umsonst das hauptbild vom blog, ich habe nicht umsonst in einem früheren leben literaturwissenschaft unterrichtet. aber wir haben einfach, da müssen wir wirklich realistisch sein, zu viele davon. zahlreiche dieser bücher sind meine und die reduziere ich wirklich tag für tag immer mehr, zumal sie in 8 unterschiedlichen sprachen sind, von denen einige niemand ausser mir hier zu hause lesen kann. viele sind fachspezifisch, auch da gibt es kaum leser in der nähe. viele der bücher wird niemand von uns ein zweites mal lesen und das offene bücherregal, ein wunderbares projekt hier in der stadt, bücher zirkulieren zu lassen, liegt auf der täglichen hundroute und ist eine tolle sache. doch die bessere hälfte kann sich nicht trennen. seit fünf wochen nun steht er fast täglich vor seinen büchern, sortiert sie neu, streichelt sie, überlegt, kämpft mich sich innerlich und schließt die vitrinen unverrichteter dinge wieder. sein innerer kampf tut schon beim anschauen weh, auf der anderen seite werden die sachen nicht weniger, wenn nicht aussortiert wird. zudem kommt noch das problem dazu, dass er in erster linie mit dem hund gassi geht und das offene bücherregal, wie schon gesagt, auf der route liegt. in der zwischenzeit versucht er zwar regelmässig die mitgenommenen bücher zu verstecken, da ihm aber das nicht wirklich gelingt, wird permanent diskutiert. in punkto bücher reduzieren fühle ich mich somit immer mehr wie sisyphos. 

auf der einen seite verstehe ich ihn natürlich, bücher sind und bleiben eines der wenigen dinge, die ich immer noch haben möchte und nie genug habe. auf der andere seite merke ich, wie mir dinge immer weniger wichtig sind und ich, solange ich einen zugang zur bibliothek habe, völlig entspannt viele bücher nicht um mich haben muss. ich meine, wir haben hier immer noch einige tausend !!! (ja, tausend) bücher in der wohnung, von wenig ist keine rede. einige weniger würden durchaus noch gehen, der weg ist somit... noch lang.

es ist dennoch viel passiert, viel mehr als nur ein erster schritt. auch heute ist vieles weitergegangen, somit kann ich wohl, gemäss dem balkanaberglauben, auf ein arbeitsreiches jahr schauen. damit das nicht nur so ist, werde ich mich zurückziehen und in die wanne legen. eventuell setzt sind das süsse nichts tun doch auch durch.